Drei Lizenzen, viele offene Türen — und ein vereinfachtes Verfahren
Ein vereinfachtes Verfahren. Klingt nach Erleichterung. Klingt nach Bürokratieabbau. Klingt nach dem Versprechen, dass jetzt alles seine Ordnung hat.
Hat es nicht.
Denn während in Lettland ein Unternehmen namens Backpack drei Urkunden entgegennimmt — MiCA, MiFID II, PSD2 — und damit den Schlüssel zu allen 27 EU-Mitgliedstaaten, entsteht nebenan, in der gleichen Architektur, ein Spalt. Das vereinfachte Verfahren für Kryptodienstleister, so ahnen es Eingeweihte seit Monaten, könnte genutzt werden, um genau jene Lücken zu nutzen, die MiCAR eigentlich schließen wollte. Schattenbankaktivitäten. Offshore-Netzwerke. Geldwäsche. Sanktionsumgehung.
Die Ironie liegt im Schnittmuster der Gesetze selbst. MiCAR zielt darauf ab, spezifische Regeln für Krypto-Assets festzulegen, die nicht bereits durch bestehende EU-Gesetze wie MiFID II reguliert werden. MiFID II regelt, was als Finanzinstrument gilt. Und bestimmte Krypto-Assets — genau jene, die sich zwischen den Definitionen bewegen — fallen weiterhin unter MiFID II, sind von MiCAR ausgenommen. Das klingt nach Präzision. Es klingt nach Juristen, die nachts lächeln.
Was bedeutet das auf der Straße? Kreditinstitute ohne MiFID-II-Zulassung könnten theoretisch genau dort andocken, wo die Regulierung am dünnsten ist — in Offshore-Netzwerken, die Sanktionen umgehen oder Geldwäsche betreiben. Der vereinfachte Zulassungsweg, gedacht als Erleichterung für seriöse Akteure, wird zur Einladung für jene, die keine Zeit für jahrelange konsequente Umsetzung haben.
Backpack-CEO Arman Ferrante spricht von einem seltenen Meilenstein. Von Jahren konsequenter Umsetzung. Von einem Team, das Geduld bewiesen hat. Tiefe Liquidität, niedrige Latenz, leistungsstarke Orderverarbeitung — X-Perps für kapitaleffizientes Trading von Volatilität innerhalb eines regulierten Rahmens. Wer so viel Aufwand betreibt, hat nichts zu verbergen. Wer so viele Lizenzen sein Eigen nennt, hat das Recht auf jede Frage — und die Pflicht, jede zu beantworten.
Aber genau hier beginnt die Arbeit des Ermittlers.
Wer profitiert, wenn die Schwellen niedrig bleiben? Wer verschweigt, dass das vereinfachte Verfahren zwar den Markteintritt beschleunigt, aber nicht zwingend die Sorgfalt erhöht? Welche Struktur trägt ein System, in dem Regulierung als Eintrittskarte funktioniert — und in der Parallelwelt als Ausrede?
Die Frage ist nicht, ob Backpack sauber ist. Die Frage ist, was in den Ritzen wächst, die zwischen MiCAR und MiFID II bleiben. Und unklar bleibt, wer dort wächst — und warum niemand hinschaut, solange die Bilanzen der Ehrlichen glänzen.
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