BlackRocks 2009 und die Architektur der stillen Machtübernahme
Man nehme ein Investmentvehikel, hänge ihm den Namen der emblematischsten britischen Bank an, füge dreizehneinhalb Milliarden Dollar hinzu, und schon gehört einem die Zukunft. So geschah es im Dezember 2009, als Larry Finks BlackRock die iShares-Sparte von Barclays Global Investors verschlang. Was offiziell als Übernahme verkauft wurde, war in Wahrheit die Einverleibung eines Ökosystems. Mit einem Schlag erbte man nicht nur die größte ETF-Plattform der Welt, sondern auch das Vertrauen jener Institutionen, die nie wieder fragen würden, wohin ihr Geld fließt — solange es nur fließt.
Heute verwaltet das Haus vierzehn Billionen Dollar, mehr als die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten und Chinas zusammengenommen — wobei diese Parallaxe täuscht, denn es handelt sich nicht um geschaffenen Wohlstand, sondern um Treuhand. Treuhand über Ersparnisse, Pensionsfonds, Versicherungsreserven. Eine Architektur, die sich längst nicht mehr als Vermögensverwalter versteht, sondern als Hybrid: Technologiekonzern — Aladdin wacht über mehr als einundzwanzig Billionen —, Private-Equity-Gigant, makroökonomischer Architekt.
Dass ausgerechnet Vanguard, philosophischer Antipode, als Komplize funktioniert, gehört zu den eleganten Ironien dieses Jahrzehnts. Zusammen verwalten beide rund einundzwanzig Billionen Dollar. Der Wettbewerb zwischen ihnen hat die Gebühren gesenkt, den Zugang demokratisiert, die Innovation beschleunigt — so liest man es in den Hochglanzbroschüren. Was dort nicht steht: dass dieselbe Konkurrenz auch ein kartellartiges Stillhalten in allem erzeugt, was jenseits der Gebührenfrage liegt. Wer kontrolliert die Infrastruktur, auf der wir alle sitzen?
Die Zahlen verraten mehr, als ihre Autoren vermuten. Im vergangenen Jahr führte BlackRock iShares mit achtundneunzig Milliarden Dollar an Nettozuflüssen an, Vanguard folgte mit sechsundsiebzig. Aktiv verwaltete ETFs, einst belächelt, wuchsen rasch und vereinnahmten achtzehn Prozent der Nettozuflüsse, obwohl sie nur einen Bruchteil des ETF-Vermögens ausmachen. BlackRock dominierte dieses Segment mit vierunddreißig Prozent. Achtundfünfzig Prozent der Zuflüsse stammten von institutionellen Investoren — ein stilles Signal, dass die aktive Strategie zurückkehrt, getarnt als ETF, gesteuert von jenen, die ohnehin nie wirklich passiv waren.
Die Expansion zielt auf private Märkte, auf internationale Rentner, auf Versicherungskonzerne — jene Reserven, die noch nicht in den Mühlen der Öffentlichkeit gemahlen wurden. Was bleibt, ist die offene Frage: Wer wacht über den Wächter? Und vor allem — wem gehört der Algorithmus, der uns alle wiegt, misst und für schuldig befindet?
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