91 Pflanzen und eine Schere — was Brüssel jetzt aufschneidet
Brüssel will das alte Gentechnik-Recht aufbrechen. Zwanzig Jahre lag es über den Äckern wie eine Schneedecke, die niemand wegräumen wollte. Jetzt greift die Kommission zur Schere — CRISPR heißt das Werkzeug, NGT das Etikett, das Feld dahinter ist zweigeteilt.
Zwei Kategorien, versteht sich. NGT1 und NGT2. Die einen dürfen wie konventionell gezüchtete Pflanzen behandelt werden — vorausgesetzt, sie hätten auch zufällig entstehen können. Zufällig. Als ob das Korn, das einmal nicht keimte, einfach Pech hatte und beim nächsten Mal Glück. Die anderen, NGT2, bleiben unter Aufsicht. Wer die Linie zieht? Unklar bleibt, nach welchen Kriterien sortiert wird — die Verordnung nennt das Kriterium, verschweigt aber, wer die Schublade füllt.
91 gentechnisch veränderte Pflanzen sind derzeit in der EU zugelassen. Die meisten Anträge: Mais. Der MON810, seit 1998 das einzige zugelassene Anbau-Event, wächst heute noch in Spanien und Portugal. Österreich hat sich für sechs Pflanzen herausoptiert — Opt-out heißt das Wort, mit dem Mitgliedstaaten sich aus der Zulassung stehlen dürfen, als wäre Gentechnik eine Wetterfront, die sich mit Paragraphen umleiten lässt.
Wer profitiert? Das Leibniz-Institut in Gatersleben will virusresistente Gerste auf den Acker. KWS Saat in Einbeck arbeitet an Zuckerrüben gegen eine Zikade und Raps gegen den Erdfloh. Drei Komma sechs Jahre braucht die EFSA im Schnitt für die Sicherheitsbewertung, weitere eineinhalb bis zur Zulassung. Wer diese Zeit hat, ist kein kleiner Züchter.
Die Kommission verspricht, das hohe Schutzniveau bleibe. Genom-Editierung sei präziser als alte Züchtung, schneller, anpassungsfähiger an Dürre und Hitze. Stimmt — auf dem Papier. Geöffnet werden soll vor allem die Freiland-Forschung. Das ist der Hebel: Wer im Gewächshaus experimentiert, baut Versprechen. Wer aufs Feld geht, baut Tatsachen.
Eineinhalb Jahre. So lange warten 51 Pflanzen im Zulassungsverfahren, 29 davon Mais. Manche verschwinden in der Zeit. Manche werden gekauft. Es bleibt ein Acker, der nicht gefragt wird, wessen Samen er trägt.
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