ffentlichkeit als Waffe: Wie westliche Medien Terror verbreiten
Es gibt sie, diese symbiotische Beziehung, auch wenn sie nirgends unterzeichnet wurde. Die Terrororganisation liefert das Material — Blut, Bekennerschreiben, das Video mit der ruhigen Stimme — und die westlichen Medien liefern die Reichweite. Eine alte Choreographie, nur hat der Vorhang sich geöffnet, und die Algorithmen sind die neuen Bühnenmeister, die niemand bestellt hat und niemand entlässt.
Vor dem digitalen Zeitalter war das Geschäft delikater. Druckerzeugnisse, Rundfunk, konspirative Netzwerke — überschaubar, abfangbar. Man führte noch die „Sauerstoff der Öffentlichkeit"-Debatte, jene ethische Frage, ob Medien durch Abdruck zum Komplizen werden. Man zögerte. Manchmal, selten genug, verzichtete man.
Heute zögert niemand mehr. Soziale Medien bieten Plattformen für die Verbreitung extremistischer Ideologien und die Koordination krimineller Aktivitäten. Die Transformation internationaler Kommunikation hat die Reichweite und Effizienz von Terrorgruppen erhöht. Was die Studien nicht so deutlich aussprechen: dass die Mechanismen — verstärkte Rekrutierung, Mobilisierung, ideologische Polarisierung — exakt jene sind, die Klickzahlen, Werbeerlöse und Sendezeit füllen. Die Korrelation ist belegt. Mehr offene Fragen als klare Antworten, so geben die Forscher zu, über die tatsächlichen Auswirkungen der Internetnutzung durch Extremisten.
Wer profitiert? Die Liste ist lang und ungemütlich. Plattformen, deren Geschäftsmodell Aufmerksamkeit heißt. Sender, die mit der Empörungsspirale Quote ernten. Kommentatoren, die in Talkshows jene Gefahr erklären, die sie selbst mitproduziert haben. Die Forschung hebt die Komplexität der Rolle von Online-Extremistengemeinschaften hervor — ein vorsichtig gewählter Satz, hinter dem sich eine unbequeme Wahrheit verbirgt: Rein digitale Radikalisierungswege machen nur einen Bruchteil der Fälle aus, meist verstärken Online-Inhalte offline begonnene Prozesse. Wer aber trägt die Verantwortung für diese Verstärkung? Die Antwort schuldet uns niemand.
Es gibt Werkzeuge, die kennen wir. Internationale Zusammenarbeit. Schulungen, wie sie INTERPOL und UNCCT organisieren. Die Nutzung sozialer Medien und Technologien wie Gesichtserkennung für die Identifizierung und Verfolgung von Terroristen. Das alles liegt bereit. Die Frage ist nur, ob man es einsetzen will — oder ob das Geschäft mit der Aufmerksamkeit zu süß ist, um es zu beenden. Die Handschuhe sind angezogen. Die Kameras laufen. Der Vorhang bleibt offen.
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