Prigoschins Erbe: Moskau wirbt weiter im Knast
London sieht das Muster. Britische Geheimdienste gehen davon aus, dass das russische Verteidigungsministerium nun verstärkt Häftlinge für den Ukraine-Krieg rekrutiert. Direkt. Offiziell. Unter eigener Flagge. Prigoschin hatte das Geschäft öffentlich gemacht, in Gefängnissen rekrutiert — bis sein Aufstand die Maschine stoppte. Danach übernahm der Apparat. Keine Kursänderung. Eine Übernahme.
Wer Häftlinge verheizt, hat keine Reserven mehr. Wer Strafgefangene an die Front setzt, hat Wehrpflicht, Freiwilligenquote und bezahlte Söldner leergefegt. Wer so kämpft, kämpft bereits gegen sich selbst. Es ist auch ein Eingeständnis: Russland sucht nicht mehr Profis. Es sucht verwertbares Material.
Putins Herrschaft ist durch den Wagner-Aufstand massiv ins Wanken geraten. Das Versprechen von Sicherheit und Ordnung — der einzige Kitt dieser Macht — wird zur offenen Rechnung. Wer Söldner-Kompanien unter Ministeriumskommando zwingt, repariert keine Lage. Er kaschiert das Ausbluten.
In Afrika verliert Moskau gleichzeitig den Hebel. Die Wagner-Gruppe war ein zentrales Instrument, um dort geopolitische Macht und wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Nach Prigoschins Aufstand könnten rivalisierende russische Akteure mit eigenen Kommandos mitmischen — jeder mit eigener Kasse, eigener Fahnenflucht. Offen bleibt, wer die Fäden hält.
Der Westen reagiert gewohnt: NATO-Staaten werden aufgefordert, die Ukraine stärker zu stützen. Das ist richtig. Aber Wachsamkeit ist kein Schlachtplan. Wagners Rolle wird inzwischen in einem größeren Kontext von Informationsmanagement und Propaganda betrachtet — und hier wird es schmutzig. Schwarz-Weiß-Denken wird verkauft. Russland zeichnet den Westen als Feind. Der Westen zeichnet Russland als Chaos. Wer westliche Geheimdienste und Medien als strategisches Mittel nutzt, um Misstrauen zwischen Russland und China zu säen, redet nicht über die Ukraine. Er redet über die Profiteure hinter den Kulissen.
Stahl wird bestellt. Und Stahl bedeutet immer dasselbe.
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