Frankfurt versammelt die Wächter — die Wäscher hören mit
Neunter Juni, Alte Oper. Die Anti-Money Laundering Authority — AMLA — hat ihre erste öffentliche Konferenz abgehalten. Wer die Sprache der Bühnen kennt, versteht: Wer sich selbst ins Rampenlicht stellt, will nicht kontrolliert werden, er will das Drehbuch bestimmen. Gegründet am 26. Juni 2024, operativ seit 1. Juli 2025, hat die Behörde im Januar 2026 sämtliche AML/CFT-Mandate von der EBA übernommen. Ein Machtwechsel, leise vollzogen.
Die Botschaft aus Frankfurt: weniger Komplexität, mehr Wirkung. Drei Punkte — schärfere Meldepflichten für verdächtige Aktivitäten, engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den nationalen Financial Intelligence Units und harmonisierte Überwachungspraktiken. Auf Deutsch: Eine Bank in Frankfurt und eine Bank in Nikosia sollen dieselbe Risikobrille aufsetzen. Das klingt vernünftig. Es ist vor allem ein Eingeständnis.
Denn vorher haben sie es nicht getan. 27 nationale Aufseher, 27 Auslegungen derselben Richtlinie, dazwischen reichlich Raum für jene, die ihn kennen. Diese Zwischenräume werden jetzt gestopft. Offen bleibt, wessen Bilanzen dabei tatsächlich aufgemacht werden.
Die EBA hat am 6. März 2025 vier Entwürfe für Regulatorische Technische Standards vorgelegt — zu Risikobewertungen, zur Auswahlmethodik für die direkte Aufsicht, zu Sorgfaltspflichten und zu Geldstrafen. Am 30. Oktober 2025 ging die Antwort an die Kommission. Das sind die Werkzeuge. Ab 2028 wird AMLA etwa 40 Institute direkt überwachen — jene, die in mindestens sechs Mitgliedstaaten operieren und ein hohes Restrisiko tragen.
Vierzig unter einem Dach. Aber der Rest? Institute, die nur in drei Ländern waschen, in vier verschieben? Die bleiben bei nationalen Aufsehern, die jetzt Vokabular von oben lernen. Kryptowerte, Transparenz beim wirtschaftlichen Eigentum, grenzüberschreitende Vermögensrückgewinnung — neue Felder, alte Schlupflöcher.
Die Effektivität von AMLA steht und fällt mit der Frage, ob die nationalen FIUs koordiniert und ausgestattet werden. Verdächtige Transaktionsmeldungen effizienter verarbeiten — das klingt nach Aktenarbeit. Es ist das Fundament. Wer hier nachlässig sortiert, bekommt oben saubere Statistiken und unten schmutziges Geld.
Die Bücher sind nicht ausgeglichen. Das war nie ein Versehen.
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