Brüssel zählt Patronen, Moskau schweigt
Meine Damen und Herren, das ist kein Friedensprozess. Das ist Buchführung mit Kalibern.
Russland sagt nein. Verhandlungen mit der Ukraine? Nicht auf der Tagesordnung. Während in Brüssel die NATO-Außenminister Milliarden sortieren, schweigt der Kreml — oder lässt Steve Witkoff schweigen. US-Außenminister Marco Rubio sagt seinen Termin ab. Das hat zwei mögliche Lesarten: politischer Lärm in Washington, oder Moskau hat das Angebot, das es wollte, längst bekommen. Beides ist kein gutes Zeichen für Kiew.
Die NATO hat sich geeinigt: jeden Monat mindestens eine Milliarde Dollar aus US-Produktion. Abfangraketen, offensive Systeme. Fünfzehn Milliarden im Gespräch. Deutschland legt zweihundert Millionen drauf, kauft gemeinsam mit Polen, Norwegen und den Niederlanden. Außenminister Wadephul nennt das die bestmögliche militärische Lage für Verhandlungen. Wer so redet, will keine Verhandlungen. Der will Hebel.
Und die Ukraine? Die Ukraine redet nicht. Die handelt. Drohnen tief ins russische Hinterland. Angriff auf St. Petersburg. Nachschubrouten gekappt. Ziele auf der Krim — darunter ein historisches Museum. Man nennt das asymmetrische Eskalation. Ich nenne es: jemand hat zugeschlagen, während die Diplomaten ihre Pressemitteilungen schreiben.
Drohnen dominieren das Feld. Das verschiebt die nächste Wette: auf Abwehrsysteme. Die sind teuer, brauchen Jahre, und niemand liefert sie über Nacht. Wer heute Drohnenschutz bestellt, kauft sich die Lufthoheit von morgen — oder bleibt ohne.
Dann Bulgarien. Rumen Radev, neuer Ministerpräsident, ein Kritiker der EU-Linie zur Ukraine, fordert Verhandlungen statt Munition. Sofia war jahrelang einer der größten Lieferanten für Waffen und Munition sowjetischen Kalibers an Kiew. Wenn Radev die Schleusen drosselt, ändert das die Rechnung an der Donau. Dann fehlt genau das Kaliber, das in Kiew noch in jedem zweiten Mörser liegt. Das ist kein innenpolitisches Signal aus Sofia. Das ist ein Lieferkettenproblem.
Brüssel liefert nach. Moskau schweigt. Kiew schlägt zu. Sofia rechnet nach. Russland lehnt ab. Wer profitiert? Die Rüstungsfabriken in mindestens drei Zeitzonen. Wer verliert? Die Soldaten in den Schützengräben, deren Kaliber nicht mehr geliefert wird.
So sieht der Winter aus, wenn niemand verhandeln will.
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