Solarmodule auf Schulen, Raketen auf Umspannwerke — Wem nützt der Frost?
Hören Sie genau hin. Nicht auf die Generatoren, die in Kiews Kellern brummen. Nicht auf Selenskyjs Versprechen von Solaranlagen und intelligenten Stromzählern in jeder Schule, jedem Krankenhaus. Hören Sie auf das, was zwischen den Zeilen steht.
Acht Angriffswellen in drei Monaten. Ukrenergo-Einrichtungen in Lwiw, Saporischschja. Ich zähle mit: 800 Drohnen am 7. September, 450 Drohnen plus 45 Raketen am 8. November. Das ist keine Eskalation mehr. Das ist Sättigung — Abwehrsysteme werden nicht durch Präzision geschlagen, sondern durch Volumen. Wer beliefert? Die iranischen Shahed-Linien laufen rund um die Uhr, billig, massenhaft. Die russische Industrie liefert nach. Geschäft boomt.
Das wahre Ziel steht in den Planungsdokumenten, die niemand laut vorliest: 110- bis 330-Kilovolt-Umspannwerke, Schaltanlagen, Verteilzentren, Gasverdichterstationen. Ganze Städte — Nischyn, Schostka, Nikopol — vom Netz abschneiden. Reparaturteams binden. Luftabwehr von strategisch wichtigen Zielen abziehen. Keine Zerstörung aus Wut. Aufmarschplanung.
Die Bilanz: halbierte Stromproduktion gegenüber dem Vorjahr. Energieimporte aus Europa, die ein kriegsführendes Land zum Netzkunden seiner Nachbarn machen. Wärmekraftwerke schwer beschädigt, sieben Angestellte bei einer einzigen Welle verletzt. Eine Talsperre getroffen. In Enerhodar schlagen Drohnen in Umspannwerke ein, die das besetzte Kernkraftwerk Saporischschja versorgen — Reparatur möglich, sagt Russland. Die Ukraine schweigt. Unklar bleibt, wer dort nachts ohne Strom dasitzt und warum keine Seite Klartext redet.
Die humanitäre Rechnung kennt keine Waffensysteme. Ältere Menschen. Behinderte Menschen. In eisigen, isolierten Wohnungen. Darüber spricht man in Bratislava — nicht über ukrainische Opfer, sondern über ukrainische Drohnen auf russischen Raffinerien und deren Folgen für die Slowakei. Putin wirkte bei einem Gespräch ungewöhnlich angekratzt. Ich übersetze: nervös. Die Rechnung, dass die Ukraine im Winter bricht, geht nicht auf.
Wem nützt der Frost? Den Geran-Fabriken. Den Importeuren, die ukrainisches Leid in europäische Bilanzen verwandeln. Den Hardlinern im Kreml, die jeden Stromausfall als Argument verbuchen. Die Antwort ist strukturell.
Selenskyj baut jetzt Solarmodule. Kluger Schachzug. Aber Solarmodule sind keine Patriotsysteme. 1937 bestellte jemand Stahl. Heute bestellt jemand Drohnen. Mal sehen, wer auf der falschen Seite landet.
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