Aus Wagner wird Kreml-Infanterie
1937. Jemand bestellt Stahl. Das bedeutet immer dasselbe. 2024. Jemand bestellt ein neues Etikett. Wagner wird Afrika-Korps. Klingt nach Logistik. Ist ein Geständnis.
Die Truppe war nie privat. Moskau hat das jahrelang behauptet — toleriert, registriert, gesponsert, als wäre man nicht verantwortlich. Susanne Conrad von der Konrad-Adenauer-Stiftung sagte im Bundestag: Wagner habe "einen klaren Kampfauftrag durch den russischen Staat". Prof. Herbert Wulf nannte das Konstrukt einen "Staat im Staate". Durch die Umfirmierung werde die Truppe der "außenpolitischen Ideologie untergeordnet". Der Kreml zieht die Leine ein.
Wer profitiert? Moskau. Wer verschweigt? Die Regierungen in Mali und im Sudan. Geheime Verträge, geheime Stationierung. Sichtbar nur die Spuren: lasergesteuerte Mörser in Libyen. Sichtbar auch die drei russischen Journalisten, die 2018 in Zentralafrika ermordet wurden, als sie Wagner-Spuren nachgingen.
Wer zahlt? Die Bevölkerung. Wagner-Söldner unterstützen in mehreren afrikanischen Ländern Regierungen und Rebellen — oft unter schweren Menschenrechtsverletzungen. Das Geschäftsmodell: militärische Dienstleistung gegen Rohstoffzugang, Schutz für autokratische Regime. Win-Win-Rechnung, bei der nur einer verliert.
Der Kontinent liefert nicht nur Bodenschätze, sondern auch Kanonenfutter. Wagner ist längst Schlüsselkomponente der russischen Invasion — und rekrutiert afrikanische Kämpfer mit Totenkopf am Revers, gefallen im Donbass. Die Verbreitung privatisierter Gewalt seit den 1990er Jahren setzt sich fort — unter Briefmarke eines Staates, der sich nicht mehr versteckt.
In zweieinhalb Jahren habe Moskau ein "antiwestliches Fundament" geschaffen. Was Wagner ausmacht: die Verbindung sowjetischer Gewaltpraktiken mit modernen Kriegsverbrechen. Kein Staat im Rücken nötig für Gräuel. Jetzt haben sie einen. Offiziell.
Vom Schreibtisch aus liest sich das wie Geopolitik. Vom Boden aus sieht es aus wie ein Massengrab. Kauf dir keinen Staub für die Augen.
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