Wie das Innenministerium Yosemite zerteilt — Strip, Parzelle, niemand
Man muß sich die Bühne vorstellen, auf der dieser Tanz stattfindet. Die eine Seite steht im Licht: das Innenministerium, das eine Erweiterung für den Nationalpark feiert und die Verhandlungen als zukunftsweisend preist. Im Schatten, ein wenig unscharf, die Yosemite NPS Employees Union, die das Vorhaben als "abscheulich" und "antithetisch zu unserem Auftrag" brandmarkt. Dazwischen — und das ist der Kern der Sache — bewegen sich Gestalten, deren Hände in den Quellen nicht gleich beschrieben werden.
Was genau wird verhandelt? Ein "quarter-mile strip of land", schreibt die eine Quelle. Eine "small parcel", schreibt die andere. Ein schmaler Streifen von etwa vierhundert Metern — oder ein kleines, undefiniertes Stück Boden. Diese Differenz ist kein Tippfehler. Sie ist die Signatur einer Transaktion, die im Trüben bleibt.
Die offizielle Lesart liest sich wie eine Übung in beschwichtigender Sachlichkeit. Das Ministerium teilt mit, jeder Landaustausch oder Zugangsvorschlag unterliege "allen geltenden Bundesgesetzen" und "keine endgültigen Entscheidungen" seien getroffen worden. Gleichzeitig berichten Bundesbeamte und Dokumente, die der New York Times vorliegen, daß das Vorhaben die volle Unterstützung der Behörde genießt. Man darf fragen, wie das zusammengeht: keine Entscheidung, aber volle Rückendeckung; Verhandlungen, aber kein Druck zu vorbestimmten Ergebnissen — wer das glaubt, hat noch nie in Genf am Tisch gesessen.
Der Entwickler heißt Kingsbarn Realty Capital, ein Immobilienunternehmen aus Nevada, dessen Anwalt Lanny Davis sich als "überzeugter progressiver Demokrat" vorstellt — ein Etikett, das in Washington so viel wiegt wie Konfetti im Hurrikan. Davis argumentiert, eine direkte Zufahrtsstraße zu einem 83 Hektar großen Privatgrundstück außerhalb des Parks werde die Fahrten verkürzen, den Verkehr verringern, die Luft reinigen. Mag sein. Aber die Behauptung, der Landtausch werde die Fläche des Parks nicht reduzieren, ist eine jener eleganten Formulierungen, die in dem Moment kippen, in dem man den Anhang liest: ein Park wird nicht größer, weil ihm anderswo ein anderes Stück Erde zugerechnet wird — er wird ein anderer.
Die Yosemite NPS Employees Union hat das begriffen. Sie spricht von der Abgabe öffentlichen Landes an private Interessen, von einem Handel, der dem Auftrag der Parkverwaltung zuwiderläuft. Daß ausgerechnet jene, die den Park täglich hüten, sich gegen ein Vorhaben stellen, das von ihren Vorgesetzten gestützt wird, ist kein bloßer Dissens im Apparat. Es ist ein Bruch. Wenn die Wächter nicht mehr verteidigen, was ihnen anvertraut wurde, hat die Frage nach dem Eigentum an der Sache bereits eine Antwort erhalten — sie lautet: nicht bei denen, die sie verwalten.
An ihrer Seite stehen zwei konservative Gruppen, deren Auftreten so überraschend wie notwendig ist: Conservatives for Responsible Stewardship und die American Conservation Coalition warnen, der Vorschlag diene nicht dem öffentlichen Interesse und kehre lange gepflegte Grundsätze um. Man darf diese Stimmen nicht kleinreden. Wenn das politische Spektrum sich an einer Frontlinie trifft, dann dort, wo die Sprache des Ausverkaufs nicht mehr überschrieben werden kann.
Was bleibt, ist ein Muster, das jeder kennt, der einmal zugesehen hat, wie ein Vertrag zwischen freundlichen Menschen entsteht: ein Anwalt, der die Gegenseite mimt; eine Behörde, die beteuert, sie habe noch nichts entschieden, während ihre Dokumente anderes verraten; eine Mitarbeitergewerkschaft, die ihren eigenen Vorgesetzten widerspricht; und ein Geschäftsführer — Jeff Pori von Kingsbarn —, dessen Geschäftsverbindungen zu Personen im Umfeld des Präsidenten dokumentiert sind, und dessen Spenden an das Republican National Committee ebenfalls dokumentiert sind. Man muß die Punkte nicht verbinden. Sie sind bereits verbunden.
Was genau aus Yosemite herausgeschnitten wird, ist die eine offene Frage. Die andere, wichtigere, ist die nach dem Warum: warum eine Regierung, die sich den Schutz öffentlichen Landes auf die Fahnen schreibt, ein Stück davon an einen privaten Entwickler übertragen will, der es in eine Zufahrtsstraße verwandeln soll, die wiederum den Wert seines Grundstücks hebt. Es ist die nüchterne Mechanik der Begünstigung, getarnt als Verfahren, eingebettet in Verfahren, geschützt von Formulierungen, die alle lesen und niemand zu Ende liest.
1937, als die Welt Schach spielte, genügte es manchmal, einen Bauern zu opfern, um eine Dame zu gewinnen. Heute opfert man einen Streifen Land und nennt es Umweltfortschritt. Wer die Spielregeln nicht kennt, wundert sich. Wer sie kennt, erkennt das Brett.
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