Hinter verschlossenen Türen — Irans Kerker und ihre Wächter
Seit dem 28. Dezember 2025 verschwinden Menschen in iranischen Haftanstalten — nicht im Schatten, sondern auf Geheiß. Zehntausende, darunter Kinder. Die Behörden verweigern jede Auskunft über Schicksal und Verbleib. Verschwundene, die als verschwunden gelten. Das ist keine Panne. Das ist Mechanik.
Human Rights Watch legt Beweise vor: Hochrangige Beamte, FARAJA, die Islamische Revolutionsgarde, das Geheimdienstministerium, Justizbeamte — sie koordinieren die Massenunterdrückung. Folter in Isolationshaft, auch in inoffiziellen Einrichtungen. Hunderte erzwungene Geständnisse im Staatsfernsehen, darunter von Kindern. Zwangsverschleppungen, Ausgangssperren, die dem Kriegsrecht gleichen. Die Massaker vom 8. und 9. Januar 2026 stehen am Beginn dieser Architektur.
Die Forderung steht im Raum: Unabhängige Beobachter, insbesondere die UN-Untersuchungskommission für Iran, sollen ungehinderten Zugang zu allen Haftanstalten erhalten. Regierungen sollen hochrangige Beobachter zu Kapitalstrafverfahren entsenden. Das Weltrechtsprinzip soll greifen.
Doch die Architektur reicht über Grenzen. Die USA und der Iran planen direkte Gespräche zur Lösung des Atomstreits. Gleichzeitig bedrohen die Revolutionsgarden Mojtaba Pourmohsen vom Sender Iran International TV bis nach London. Sein Telefon ist gehackt. Seine Familie wird bedroht. Je schwächer die Regierung werde, sagt Redaktionsleiter Aliasghar Ramezanpour, desto mehr Drohungen sehen wir.
UN-Sonderberichterstatterin Mai Sato ergänzt: Auch Menschenrechtsaktivisten, Anwälte, Autoren, Musiker werden weltweit bedroht. Westliche Regierungen täten zu wenig. Parallel unterhält das Regime Netzwerke in Europa — getarnt als Kultur- oder Bildungseinrichtungen. Andrew Ghalili vom Think Tank NUFDI dokumentiert: Ziel sei eine Appeasement-Politik gegenüber Teheran. Druck auf Exilierte, Einflussnahme in europäischen Hauptstädten.
Anwälte wie Nasrin Sotoudeh stehen unter Druck. Narges Mohammadi wurde im Dezember 2025 erneut festgenommen. Die „Frau, Leben, Freiheit"-Proteste wirken nach. Die Aufmerksamkeit ist da.
Offen bleibt, welche Handschuhe angezogen werden, wenn Kerker geöffnet werden sollen und gleichzeitig über Atomverträge verhandelt wird. Wer profitiert, wenn die Gleichung „Zugang gegen Entspannung" lautet? Die Verschwundenen sicher nicht.
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