Drei Lehrer, ein Algorithmus, kein Maßstab
Man nenne mich zynisch, aber wenn ein zwanzigjähriger BBA-Student aus Thrikkakara festgenommen wird, weil er mittels künstlicher Intelligenz die Gesichter seiner Lehrkräfte in obszöne Sequenzen montiert haben soll, dann frage ich nicht zuerst nach dem Jungen. Ich frage nach der Plattform. Und nach dem, was die Plattform weiß, seit sie existiert.
Die Polizei schweigt sich aus. Onmanorama spricht von Telegram. The Hindu lässt die digitale Architektur im Nebel. Eine redliche Faktenprüfung — der Maßstab, an dem ich jede Behauptung messe, seit ich in Genf Verträge las, die niemand unterzeichnen wollte — hätte längst nachgehakt: Wo wurden die Bilder geteilt? In welchen Gruppen? An wie vielen Endgeräten? Wie lange waren sie online, bevor jemand — ein ehemaliger Studierender, nicht die Polizei, nicht die Plattform selbst — den Lehrkräften überhaupt davon erzählte?
Denn das ist die erste Merkwürdigkeit dieses Vorgangs, die zweite und dritte gleich mit. Die Anzeige kommt nicht von einer betroffenen Frau, nicht vom Kollegium, sondern von der Collegeverwaltung — nachdem ein Ehemaliger die Lehrkraft informiert hatte. Wer wusste vorher Bescheid? Wer hat weggeschaut? Die protestierenden Studierenden behaupten, das Management habe den Verdächtigen mit seinen Verwandten vom Campus gelassen, bevor die Polizei überhaupt verständigt war. Das Management sagt: rechtzeitiges Handeln. Das ist kein Widerspruch. Das ist die Räumung von Verantwortung im Schutz der Aufregung.
Zweiter Akt, neues Licht. Am 3. September ist es ein Student „in Gewahrsam". Am 4. September ist es eine Verhaftung — derselbe Mann, nun mit vollem Namen: Sreehari V.S., BBA, zwanzig Jahre alt. Die Anklagepunkte haben sich verschoben wie Karten in einem schlecht gemischten Spiel. Tags zuvor: IT-Act Section 67, BNS Section 79, Kerala Police Act 119(1)(b). Tags darauf: IT-Act Section 67A statt 67 — ein anderer Paragraf, weil das Material angeblich „sexually explicit acts" darstellt, nicht bloß „obscene". Wer legt fest, welcher Paragraf greift? Die Polizei. Wer prüft die Polizei? In diesem Augenblick niemand.
Drei Lehrkräfte, sagt ein „senior officer". Das ist die Zahl, die wir haben. Das ist auch schon alles, was wir haben. Wie viele Studierende betroffen sind — die Aggregatoren sprechen von „fellow students", von „girls", von „teachers and fellow students" —, bleibt im Dunkel der laufenden Ermittlung. Eine Faktenredaktion würde formulieren: Behauptung nicht verifizierbar. Hier nennt man es Pressekonferenz.
Und dann die Architektur des Vergessens. Die Beschuldigung lautet auf Verbreitung. Wer hat konsumiert? Wer hat gespeichert? Wer hat weitergeleitet, heruntergeladen, archiviert? Die Polizei sagt, „a couple of people in the accused's age group are under our radar". Verdächtige ohne Anklage, Vermutungen unter Radar — die Sprache der Strafverfolgung wird weicher, wo sie hätte härter werden müssen. Die Plattformen, auf denen das Material zirkulierte, schweigen. Sie schweigen immer. Ihre Geschäftsmodelle sind auf dieses Schweigen gebaut.
Hier wird die künstliche Intelligenz zur Metapher dessen, was schon vor ihrer Erfindung existierte: die digitale Fabrik der Erniedrigung, in der ein öffentliches Profilbild genügt, ein Algorithmus, der die Würde zerreibt, ohne zu wissen, was Würde ist. Der Student ist zwanzig. Die Lehrkräfte sind fünfzig, fünfunddreißig, zweiundvierzig. Die Asymmetrie ist nicht akademisch. Sie ist körperlich. Und sie wird mit jedem geteilten Bild reproduziert, an Empfänger, deren Zahl kein Kommissar uns nennt.
Was bleibt? Eine Festnahme. Ein Verfahren. Drei Namen, die wir nicht kennen. Eine Hochschulgemeinschaft, die nicht für die Opfer, sondern gegen das eigene Management auf die Straße ging. Ein internes Beschwerdekomitee, das Hinweise sammelt, während die Täter von morgen schon die nächsten Renderings auf ihren Telefonen laden. Ich kenne diese Bewegungen. Ich habe sie an Konferenztischen gesehen, auf denen Männer lächelten, während sie protokollierten, dass alles in Ordnung sei.
Vertrauen, das war einmal die unsichtbare Infrastruktur eines Campus. Heute ist es ein Pixel im Deepfake eines Unbekannten. Manche nennen das Fortschritt. Ich nenne es das Ende der Höflichkeit.
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