ennen es niedrig. Die Zinsen nicht
Sie sagen noch zu niedrig. Die Kurven erzählen eine andere Geschichte.
In den Sälen, in denen die Sprache der Banken gesprochen wird, fällt seit Wochen ein Wort, das wie Balsam wirken soll. Die US-Kreditkosten seien trotz eines Anstiegs der Renditen noch ein wenig zu niedrig.
Noch ein wenig. Noch. Als wäre Zeit die einzige Währung, die hier zählt.
Die Realität ist prosaischer und unangenehmer. Eine Welle steigender Anleiherenditen erfasst die Welt. Die Kosten für Regierungen, Unternehmen und Haushalte klettern. Die BBC berichtet: höhere Ölpreise treiben die Inflation quer durch alle Branchen, der Kraftstoff wird teurer, die Ausgaben wandern durch. Die Emirates 24/7 formulieren es ungeschminkter — Schulden- und Inflationsängste treiben die Renditen, Hypotheken und Kredite werden teurer, das Wachstum gerät unter Druck. Der Occasional Digest ergänzt die Diagnose: Die Inflation bleibt hartnäckig, geopolitische Spannungen erhöhen den Druck, die Zentralbanken werden die Zinsen möglicherweise länger hoch halten müssen.
Drei Quellen. Drei Wörterbuch-Einträge derselben Sprache: steigend. steigend. steigend.
Und mittendrin, in dieser Welt, in der jede Schuld teurer wird, sagen uns die Experten, die Kreditkosten der größten Volkswirtschaft der Welt seien noch ein wenig zu niedrig.
Wer profitiert von dieser Ruhe?
Das ist die Frage, die in keiner Bilanz steht. Wenn die Kosten für Geld für alle anderen steigen, aber für den größten Schuldner der Welt noch niedrig bleiben sollen, dann bedeutet das nicht Stabilität. Es bedeutet einen Preiszettel, der nicht ausgestellt wird. Eine Rechnung, die auf den Tisch der nächsten Quartale geschoben wird.
Die Korrelation ist deutlich. Wenn die Welt Anleihen abstößt, weil Öl, Künstliche Intelligenz, Inflation und geopolitische Spannungen die Risikoprämien treiben, dann müssten die US-Renditen stärker steigen als alle anderen. Wenn die Zentralbanken länger hoch bleiben müssen, dann müssten die Kosten für die US-Schuld am empfindlichsten reagieren. Wenn die Haushalte überall mehr zahlen für Hypotheken und Kredite, dann müsste das auch in den Vereinigten Staaten sichtbar werden.
Stattdessen hören wir: noch ein wenig zu niedrig.
Diese kollektive Stimme ist verdächtig, nicht weil sie lügt, sondern weil sie zu präzise im gleichen Tonfall spricht. Zu abgestimmt. Eine Stimme aus dem Golfraum formuliert es nüchtern: Steigende Anleiherenditen verteuern die Kreditkosten für Regierungen, Unternehmen und Haushalte in der gesamten Weltwirtschaft. Eine Diagnose ohne Schönung. Und gegenüber dieser Diagnose steht das beruhigende Wort der Experten, das die Ausnahme postuliert, ohne sie zu begründen.
Was hier getragen wird, ist keine Analyse. Es ist eine Erzählung. Eine Erzählung, die den Schrecken verschiebt, ohne ihn aufzulösen. Wer sie trägt, lässt sich benennen als Klasse: jene, die in Nadelstreifen an den Konferenztischen sitzen und erklären, warum der Gürtel enger muss — nur eben nicht der eigene.
Unklar bleibt, wessen Interesse genau diese Erzählung dient. Unklar bleibt, ob die Stimme des "noch zu niedrig" aus Überzeugung spricht oder aus Position. Unklar bleibt, wer den Begriff in Umlauf bringt — Rating-Agenturen, die sich nicht die Hände verbrennen wollen, oder Stimmen aus den Handelsetagen, die ihre Bestände nicht abgestoßen sehen möchten.
Was bleibt, ist die Diskrepanz. Eine Welt, die sich unter steigenden Kosten krümmt, und ein einzelner Satz, der genau für jene Volkswirtschaft, die am verwundbarsten sein müsste, das Gegenteil behauptet. Wer diese Diskrepanz hört, sollte nicht über das Wort niedrig staunen. Er sollte prüfen, wer es braucht.
Ich rauche meine Pfeife. Langsam. Wie meine Sätze. Und ich warte auf den Tag, an dem die Kurven jenes Wort einfordern, das die Experten heute noch nicht aussprechen wollen: gefährlich.
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