Stille Waffenruhe, lauter Verdacht
Drei Monate Waffenstillstand, sagt The New Humanitarian. Die nigerianische Regierung schweigt. Soldaten sterben.
Zuerst die Zahlen. Mai 2021: Abubakar Shekau, dienstältester Dschihadistenführer der Welt, tot — eigene Sprengweste im Sambisa-Wald. Sein Nachfolger Bakura Modu, Sahaba, schwört vor der Kamera Treue. Die Anhänger Shekaus schwinden seit Jahren. ISWAP füllt die Lücke. Kein gelöstes Problem. Ein verschobenes.
Juni 2026. Geheime Gespräche. 360 Entführte aus Ngoshe werden frei. Fünf Milliarden Naira, 3,7 Millionen Dollar, wandern in nicht zu verifizierende Kanäle. Abuja dementiert. Militär und Verteidigungsministerium antworten nicht. Präsident Tinubu rekrutiert parallel 30.000 Mann, vier neue Divisionen. Öffentlich Krieg. Hinter den Kulissen ein Deal. Das ist keine Strategie. Das ist Warten.
Warten wozu? Der Waffenstillstand gilt Boko Haram — nicht ISWAP. Wer mitmacht, hat drei Monate Ruhe zum Verschanzen, Rekrutieren, Strukturieren. Wer ausgeschlossen ist, schlägt zu. Februar 2026, Pulka und Mandaragirau, Borno. ISWAP attackiert koordiniert, mehrachsig, mit Pickups und Motorrädern. Die Linie hält — knapp. Ein Abschnitt wird durchbrochen. Unterkünfte brennen, Gerät geht verloren. Verstärkung von Brigade 26 drängt die Angreifer zurück. Ein Kommandeur, Abou Aisha, stirbt mit Halsschuss. Blutspuren, flache Gräber entlang der Kimba-Achse. Das ist kein Erfolg. Das ist eine Linie, die wich.
Parallel: Umstrukturierung der Militärführung. Neuer Kommandeur Ajose, ernannt vor den Präsidentschaftswahlen. Operative Effektivität, sagt man. Beschäftigungstherapie für eine Armee, die Löcher stopft statt Strategien baut.
Zwei Bilder, ein Vorgang. Offiziell wird verhandelt. Inoffiziell wird gekämpft. ISWAP schlägt zu, wo die Ruhe nicht gilt. Abuja schweigt. Wer profitiert? Wer verschweigt was? Unklar bleibt, wer die fünf Milliarden Naira tatsächlich erhielt. Antworten folgen — oder auch nicht. In Abuja zählt beides gleich wenig.
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