Tarcza Wschód — oder: Wie Polen das Ottawa-Abkommen verlässt
Warschau, Dezember 2025. Als Paweł Zalewski, stellvertretender Verteidigungsminister, Reuters mitteilte, Polen werde erstmals seit dem Kalten Krieg wieder Antipersonenminen produzieren, geschah dies mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass die Uhr nicht auf seiner Seite tickt. Der Austrittsprozess aus der Ottawa-Konvention endet am 20. Februar 2026. Sechs Monate, in denen aus einer Absicht eine Tatsache wird.
Polen folgt einem Pfad, den zuvor die Ukraine, Finnland, Estland, Lettland und Litauen betreten haben. Das Programm „Tarcza Wschód" — Ostschild — sieht für 2024 bis 2028 vor, die Grenze zu Belarus und zur russischen Exklave Kaliningrad mit Minen zu sichern. Zalewski sprach von Millionen. Belma, bereits Lieferant anderer Minentypen, erklärte sich bereit, 2026 bis zu 1,2 Millionen Antipersonenminen herzustellen; Geschäftsführer Jarosław Zakrzewski nannte fünf bis sechs Millionen Minen unterschiedlicher Art. Ein offizieller Auftrag liegt nicht vor.
Wohl aber ein Bedarf, der seine Nachfrage selbst schreibt. Überschüsse, so Zalewski, könnten an die ukrainischen Streitkräfte und an die baltischen Staaten gehen. Die Ukraine gelte als strategischer Schwerpunkt; ihre Front stelle eine Sicherheitslinie für Polen und Europa dar. Die Ukraine und die baltischen Staaten lehnen einen Friedensplan ab, der russische Kontrolle über besetzte Gebiete anerkennt. Prinzip oder Geografie der Angst — die Unterscheidung verliert an Schärfe.
Während Warschau die Handschuhe ablegt, bleibt auf der anderen Seite das Geschäft mit dem Krieg diffus. In Russland operieren schätzungsweise dreißig private Militärfirmen in einer rechtlichen Grauzone, finanziert von Oligarchen und Konzernen. Wagner war nur die Spitze des Eisbergs. Diese Firmen untergraben das staatliche Gewaltmonopol und dienen möglicherweise nicht den staatlichen Interessen — was in Diplomatensprache so viel heißt wie: Wir wissen es nicht genau.
Dass die militärische Präsenz von US-EU-NATO-Truppen in Osteuropa als Vorbereitung auf einen Konflikt mit Russland gelesen werden könnte, liegt nahe. Wer das für Spekulation hält, möge bedenken: Belma produziert bereits.
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