SWIFT zu, CELLS auf: Das doppelte Spiel
Prag, Riga, Budapest — drei Hauptstädte, ein Vorschlag. Russland und Belarus sollen aus dem SWIFT-System ausgesperrt werden. Schön verpackt als Kampf gegen die russische Aggression. Wer aber profitiert, wenn die Drähte gekappt werden, das frage man besser zweimal.
Die Bundesregierung spricht von „gezielter Einschränkung" — Lieblingswort der Ministerialen, wenn sie entscheiden wollen, wer leidet und wer nicht. Gezielt heißt: wir treffen die Richtigen, solange die Richtigen die sind, die wir meinen. Kollateralschäden? Minimiert. Auf dem Papier, versteht sich.
Die EU und Deutschland sehen keinen Anlass, die Sanktionen aufzuheben. Man sitzt fest im Sattel, die Pferde sind längst erschöpft.
Auf der anderen Seite: Moskau möchte seine Wirtschaft stabilisieren, die Kriegsfinanzierung erleichtern — durch die Rückkehr seiner Banken ins SWIFT-System. Wird nicht passieren. Also baut man sich seine eigene Tür. Die Plattform CELLS, ein alternatives Zahlungssystem, soll Sanktionsrisiken reduzieren und die Unabhängigkeit von der nationalen Finanzpolitik sichern. Klingt nach Innovation. Riecht nach Hintereingang.
Die steigende Hashrate in Russland, das wachsende Handelsvolumen — die Fachleute winken ab. Nicht zwingend Sanktionsumgehung. Vermehrte Investitionen, sagen sie. Von Privatpersonen. Möglicherweise von Oligarchen. Möglich. Beides kann wahr sein. Die Wahrheit liegt selten in der Mitte.
Aber: Kryptotransaktionen sind nicht anonym. Sie sind pseudonym. Jede Wallet hat einen Schlüssel, jede Transaktion eine Spur. Wer an einer regulierten Börse in Fiat tauscht, wird enttarnt — KYC-Prüfung sei Dank. Chainalysis, Elliptic — die Spürhunde lesen Ketten wie andere Zeitungen.
Wer also erzählt, die Blockchain sei die Achillesferse der Sanktionen, hat die Hausaufgaben nicht gemacht oder verkauft Unsicherheit. Hillary Clinton sprach einst von „undichten Ventilen". Frau Clinton sieht viel. Meistens zu spät.
Russland nutzt die Blockchain-Technologie, um Zahlungen unabhängig von SWIFT durchzuführen. Das Interesse an Kryptowährungen wächst, insbesondere nach dem Ausschluss russischer Banken. Dokumentiert. Unklar bleibt, wer CELLS tatsächlich betreibt. Unklar bleibt, wessen Geld wirklich hinter der russischen Hashrate steht.
Die Bücher sind nicht ausgeglichen. Das war nie ein Versehen.
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