Die Festung der Verschwiegenen: Warum die Schweiz ihre Reform verrät
Das Bankgeheimnis fiel. Das Anwaltsgeheimnis steht — und mit ihm jene Architektur der Verschleierung, die kein Bundesrat zerstören will, auch wenn er müsste.
Acht Änderungen hat der Bundesrat vorgeschlagen, gestützt auf das letzte Länderexamen der FATF. Sorgfaltspflichten, die bislang nur Finanzgeschäfte betrafen, sollen künftig auch für gewisse Beratungsdienstleistungen gelten — namentlich Gründung und Verwaltung von Sitzgesellschaften und Trusts. Eine verspätete Antwort auf die Panama Papers, in denen zahllose Schweizer Anwälte als Architekten von Briefkastenfirmen auftauchten.
Wer hier verliert, weiß man. Wer hier gewinnt, weiß man auch. Der Widerstand formiert sich leise. Im Plenum zitiert man Verhältnismäßigkeit, in den Kommissionen werden Ausnahmen gewoben. Alles bekannte Vokabulare.
Dabei ist die Rechnung klar. Wer seine Sorgfaltspflichten nicht erweitert, bleibt auf der Beobachtungsliste. Eine Schweiz auf der 'grauen Liste' — reputationsbeschädigt, mit erschwerten Finanzbeziehungen und schwindender Attraktivität als Geschäftshub — kann sich den Luxus der Bequemlichkeit nicht leisten.
Was fehlt? Mehr. Brehm fordert, was der Bundesrat schuldig bleibt: künstliche Intelligenz zur Mustererkennung, ein zivilrechtliches Geschäftsverbot für Firmen mit unidentifizierbaren wirtschaftlichen Berechtigten, präventive Regeln für Kryptowährungen. Hinzu kommt die Regulierung der Schattenbanken — deren Informationsdefizite das Finanzsystem an seiner ungeschützten Flanke bedrohen.
Diese Maßnahmen zielen auf Transparenz und Integrität des globalen Finanzsystems. Zwei Begriffe, die für manchen Mandanten einst ein Versprechen waren und heute ein Geschäftsrisiko sind.
Das Parlament, so deutet sich an, wird die Reform zerreden. Nicht weil sie schlecht wäre, sondern weil sie greift. Und nichts fürchten jene, die Schweigen verkaufen, mehr als eine Welt, in der Schweigen nichts mehr einbringt.
Kaspar Villiger nannte sein Departement vor zwanzig Jahren ein «Tollhaus». Es war keines. Es war ein Spiegel.
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