BEFEHLSKETTE NACH MOSKAU: Die Akten warten
Hören Sie zu. Ich sage Ihnen, was ich sehe, wenn ich die Zahlen lese.
Mariupol. 93 Prozent der Hochhäuser im Stadtzentrum. Beschädigt oder zerstört. Das ist keine Schlacht. Das ist eine Kassenabrechnung. Wer gibt den Befehl, eine Stadt so zu bearbeiten? Nicht der Leutnant vor Ort. Nicht der Hauptmann. Die Order kommt von oben. Und oben ist weit.
Die UN zählt. 726 tote Zivilisten zum damaligen Stand. 42 Kinder. 2.400 allein in Mariupol. Die echten Zahlen kennt niemand, weil Meldungen aus umkämpften Gebieten versickern wie Wasser in Sand. Aber die Beweise sammeln sich. Streumunition in Wohngebieten, international geächtet. Ungelenkte Bomben auf Krankenhäuser. Der Bahnhof von Kramatorsk, 60 Tote beim Warten auf einen Zug. Das sind keine Patzer. Das ist Methode.
Der Kreml sagt: Präzision. Die Bilder sagen: Fläche. Ich habe in zwei Kriegen gesehen, wie Soldaten lügen. Aber so eine Lüge hat System. Sie braucht Befehle, Munition, Logistik, Nachschub. Das fällt nicht vom Himmel.
Die Schweiz macht jetzt, was die Bundesanwaltschaft jahrelang versäumt hat: Task-Force, Aktenaustausch mit dem ICC. Endlich. Frankreich setzt einen russischen Tanker fest, verdächtig, Sanktionen zu umgehen. Gut. Aber das ist Kleingeld. Die große Münze sind die Namen. Die Generale. Die Minister. Die Männer in den Büros, die den Daumen heben.
Ich sage Ihnen, was ich befürchte: Dass die Akten sauber sortiert in Archiven verschwinden, während die Welt zusieht. Dass Beweise verrotten, während Anwälte Zuständigkeiten prüfen. Habe ich gesehen. Immer dasselbe.
Die Ukraine schlägt zurück, mit westlicher Unterstützung. Das ist ihr Recht. Aber recht haben und recht bekommen sind zwei Paar Stiefel. Die Order, die Mariupol dem Erdboden gleichmacht, ist irgendwo aufgeschrieben. Jemand hat unterschrieben. Die internationale Gemeinschaft muss diesen Jemand finden.
Nicht morgen. Jetzt.
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