Robust auf dem Papier, brüchig im Geschäft
Frankfurt, November. Die EZB legt die Zahlen vor, und sie sind sauber. Elf Komma zwei Prozent hartes Kernkapital, erste Säule, unverändert. Die zweite bei 1,2 Prozent. Im Schnitt 16,1 Prozent. Gesamtkapitalquote 20,2. Verschuldungsquote 5,9. Eigenkapitalverzinsung 10,1.
Worte wie „robust" fallen. Wie „solide". Dann das Kleingedruckte. Zehn Institute mit zusätzlichen Anforderungen wegen mangelhafter Rückstellungen. Vierzehn weitere tragen einen Aufschlag auf die Verschuldungsquote. Die Säule-2-Empfehlung sank von 1,3 auf 1,1 Prozent. Der SREP-Score von 2,6 auf 2,5.
Man nennt es Reform. Man könnte es Lockerung nennen.
Die Aufseher selbst sprechen von geopolitischen Risiken. Eine Quelle, relevanter für die Analyse politischer Trends und ihres Einflusses auf Finanzpolitik kaum denkbar. Kritiker — die EZB eingeschlossen — warnen vor Deregulierung, während sie die Zügel um zwei Zehntel locker lässt. Das ist das Spannungsfeld: Belebung gegen Vorsicht. Wer justiert die Waage?
Notleidende Kredite im Gesamtvolumen: 1,9 Prozent. Bei Gewerbeimmobilien 4,6. Bei Mittelstandskrediten 4,9. Genau dort soll die Kreditvergabe erleichtert werden. Genau dort warten die nächsten Abschreibungen.
Wer profitiert? Die Institute. Wer trägt das Risiko? Jene, deren Sicherheiten morgen weniger wert sein könnten.
Es ist eine seltsame Zeit. Man kann nicht einmal die Wirtschaftsmeldungen lesen, ohne dass einem moderne JavaScript-Features den Weg durch die Tore von Anubis versperren — als wäre Aufklärung selbst ein Sicherheitsrisiko. Als wäre Information eine Währung, die nur fließt, wer die richtigen Codes hat. Wie in einem Spiel, in dem In-Game-Items den Wert bestimmen, nicht die Arbeit dahinter.
Doch das hier ist kein Spiel. Die Bücher sind offen. Die Frage ist, was zwischen den Zeilen steht.
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