Die Architektur der Sauberkeit
Manche Strafen sind Liebeserklärungen. Die Millionenbuße der BaFin gegen die Onlinebank N26 liest sich wie ein Seufzer der Erleichterung — endlich, möchte man meinen, darf zugepackt werden. Doch wer jemals in Genf an einem Verhandlungstisch saß, weiß: Wird öffentlich gestraft, dann meist dort, wo das Schweigen am lautesten war. Die Aufsicht zeigt auf den Kryptosektor, weil sie zeigen muss. Was sie nicht zeigt, ist die Frage hinter der Frage.
Denn während die BaFin Strafen verteilt, plant die Bundesregierung ein neues Bundesfinanzkriminalamt. Eine Zentralisierung. Die Zuständigkeiten, die zwischen Landeskriminalämtern, Zoll und BaFin zersplittert waren, sollen gebündelt werden — ein elegantes Versprechen, das gleichzeitig verrät, wie unkoordiniert man zuvor ermittelt hat. Man darf das als Eingeständnis lesen.
Der Bericht zu diesen Plänen fordert den Einsatz Künstlicher Intelligenz — für Analyse, für Aufdeckung, für die Geschwindigkeit, die Menschen nicht haben. Ein Unternehmen, so heißt es, habe sich bereits als Vorreiter im KI-Einsatz für AML und regulatorische Compliance etabliert. Es bleibt unklar, welches gemeint ist. Es bleibt ebenso unklar, wer kontrolliert, dass die Maschine tatsächlich sauberer wäscht als das, was sie ersetzt.
Das geplante Transparenzregister ist umstritten. Datenschutzbedenken, Zugangsbeschränkungen — man baut eine Tür und diskutiert dann, wer den Schlüssel erhält. Händler müssen verdächtige Kunden melden und tragen die bürokratischen Kosten allein. Es fehlt, wie immer, eine offizielle PeP-Liste — jenes Instrument, das politisch exponierten Personen endlich einen Namen geben würde. Ohne sie bleibt das Gesetz ein Skelett ohne Wärter.
Wer profitiert? Die, welche die Maschinen liefern. Wer verschweigt? Die, welche die Listen nicht führen. Fortschrittliche Technologie ist notwendig, gewiss. Doch wer sie baut, wer sie prüft, wer sie besitzt — diese Fragen werden nicht gestellt. Sie stehen am Rand, wo das Licht nicht hinkommt.
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