Lehrgang mit Lügen — RTs Kreml-Kurse für afrikanische Journalisten
Manche Kolonialherren tragen heute Anzug statt Uniform. RT, in Großbritannien, der EU, Kanada und den USA verbannt, hat nicht zurückgeschlagen, sondern umgeschichtet. Chefredakteurin Margarita Simonyan sprach Ende 2024 offen von „gastlicheren Regionen". Afrika gehört dazu: mindestens sieben RT-Büros, über dreißig Partnerschaften mit lokalen Fernsehnetzen, dazu die Russischen Häuser. So sieht der Vorhang aus.
Hinter ihm die Fabrik. RT bildet aus. Mehr als tausend Teilnehmer aus fünfunddreißig afrikanischen Ländern — die BBC konnte nur dreihundert in der Telegramgruppe verifizieren. Die Lektionen lehren Interview und Recherche — und nebenbei die Narrative des Kreml: Ukrainische Soldaten in Mariupol als „Neo-Nazis", Douma 2018 und Butscha als „westliche Erfindungen". Eine Stunde über „Falschinformationen", die nichts anderes tut, als die russische Lesart zu wiederholen.
„Wir gehören zu den Besten im Faktencheck. Man hat uns nie dabei ertappt, Falschinformationen zu verbreiten", sagt der RT-Chef. Absolventen reichen Geschichten ein, die „Mainstream-Medien nicht abdecken" — Code für RTs antiwestliches Vokabular. Ein äthiopischer Teilnehmer mit Putin-Foto im Profil wiederholt die Leugnung von Butscha. So reifen Multiplikatoren.
Die Strategie ist sowjetisches Erbe, modernisiert: Journalisten erziehen, die man später anstellen oder instrumentalisieren kann. Eine Operation mit fiktiver Identität — „Dr. Manuel Godsin" — verbreitete pro-kremlsche Narrative und kommentierte lokale Themen. RT Afrika und Sputnik teilen sich die Arbeit. Offen bleibt die Verbindung zu lokalen Milizen und Wahlmanipulationen, die strategische Verwendung für geopolitische Ziele. Hier verschwimmt die Spur zwischen Schulung und Operation.
Die geplante Erweiterung wird Afrikas politische Landschaft verändern. Wem das nützt, weiß, wer die Karten liest. Handschuhe an.
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