BAYERS LETZTE PATENTE – Wem gehört der Blutdruck?
1937. Jemand verdient an der Krankheit. Ich benenne ihn.
Heute: Bayer.
Der Leverkusener Konzern steht im Fokus, weil er möglicherweise die Marktexklusivität für Blutdruckmedikamente künstlich verlängert hat. Die Branche nennt das Evergreening. Das indische Patentrecht kennt einen Namen dagegen: Abschnitt 3(d). Geschrieben für solche Fälle – neues Salz, neue Kristallstruktur, ein zweites Patent auf den gleichen Wirkstoff. Verboten ohne echte therapeutische Innovation. Das Gesetz fragt nicht nach Konzerngewinn. Es fragt nach Patienten.
In Neu-Delhi spricht Handelsminister Piyush Goyal auf dem 22. CII Annual Health Summit. Die Bühne ist blank, die Worte auch. GST auf Gesundheits- und Lebensversicherungen sinkt von 18 auf 0 Prozent. Zölle auf Medizingeräte, Krebsmedikamente und wesentliche Arzneimittel werden gesenkt. Die Industrie darf Vorschläge einreichen – welche Medikamente, welche Produkte, welche Margen geopfert werden. Die Regierung nennt sich zuhörend. Sie wartet auf Eingaben der Konzerne. Das ist kein Verdienst, das ist ein Risiko.
Parallel arbeiten die Jan Aushadhi Kendras. Generika zum Herstellungspreis, kleine Marge, landesweit. Für Patienten, die sich Bayer-Originale nicht leisten können. Hier wirkt §3(d) ganz praktisch: kein Patentmissbrauch, kein künstlicher Preis.
Die 'Heal in India'-Initiative soll moderne Medizin mit Yoga und Ayurveda integrieren. Indien als globaler Hub für medizinischen Werttourismus. 100.000 zusätzliche Pflegekräfte sollen ausgebildet werden – für den Binnenmarkt und den Export. Krankenhäuser sollen balancieren zwischen indischen und internationalen Patienten. Eine schöne Zahl auf einer schönen Folie.
Erschwinglichkeit nennt Goyal die Schlüsselpriorität. Priorität ist kein Mechanismus. Der Mechanismus ist §3(d). Der Mechanismus sind die Jan Aushadhi Kendras. Der Mechanismus ist die Zollschraube.
Was bleibt offen: Welche Blutdruckmedikamente genau betroffen sind, ob ein Anfechtungsverfahren läuft, welche Studien der Konzern für die Verlängerung vorlegt. Unklar bleibt auch, wer im Aufsichtsrat von Bayer über die Indien-Strategie entscheidet.
Die Akte liegt zwischen Leverkusen und Chennai. Ich fordere sie ein.
Für die Terminal Tribune – Dr. Lena Rath.
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