MiCA und die Mechanik der zweiten Stunde
Manche Gesetze werden nicht geschrieben, weil sie das Verhalten ändern wollen. Sie werden geschrieben, weil jemandem die Kontrolle entglitt. MiCA — die Markets in Crypto-Assets Regulation — gehört in diese Kategorie. Am 20. Mai 2026 hat die Europäische Kommission ihre Überprüfung offiziell aufgenommen. Was nach Routine klingt, ist die Fortsetzung eines Dramas, das mit der ersten Stunde der Stablecoins begann.
Stablecoins und Mixer — diese spezifischen Krypto-Assets stehen im Zentrum einer Regulierung, die Finanzkriminalität bekämpfen soll. Klingt nobel. Wer profitiert? Die lizenzierten Häuser, die den Schlüssel schon in der Tasche hatten. Die unlizenzierten, die nun lernen, was eine Zulassung kostet. Die wenigen, die bereit sind, sie zu zahlen.
Im Juli 2026 schließt sich das Zeitfenster für CASPs. Genau in diesem Moment beginnt die Konsultation. Die Kernfragen stehen längst: Soll das Zinsverbot fallen? Sind die Mindestreserven angemessen? Wo verläuft die Grenze für „wichtige" Stablecoins? Soll DeFi, Staking, Lending, NFTs unter das Gesetz fallen? Wer diese Fragen stellt, hat die Antworten bereits im Entwurf. MiCA 2.0 — so nennen es Beobachter — wird von neuen Gesetzesvorschlägen begleitet sein, die Compliance-Pflichten von Emittenten, Börsen und DeFi-Betreibern neu justieren. Die Überprüfung zielt darauf ab, Anwendbarkeit und Wirksamkeit der bestehenden Regulierung zu bewerten. Das klingt nach Pflege. Es ist Kontrolle.
Im asiatisch-pazifischen Raum beobachten VASPs aus Hongkong und DPT-Dienstleister aus Singapur, wie der Tisch neu gedeckt wird. Ihre Strategien für den europäischen Marktzugang müssen angepasst werden, insbesondere im Hinblick auf die CASP-Zulassungsfristen. Die EU tritt aus der Rahmenbildungsphase in die Regelverfeinerungsphase. Wer das übersieht, zahlt den Eintrittspreis doppelt.
Was bleibt, ist eine klare Trennung zwischen lizenzierten und unlizenzierten Anbietern in der EU. Verstöße gegen die Zulassungspflicht werden aufsichtsrechtlich und strafrechtlich verfolgt — Sicherheitsnetz für Anleger, Fallbeil für jene, die sich unsichtbar wähnten. Frankreich hat sich angepasst. Die Einführung von MiCA und der Transfer nach Paris verdeutlichen die Anstrengung, einen einheitlichen rechtlichen Rahmen für Kryptowerte zu schaffen. Einheitlich — ein Wort, das in Europa seit jeher bedeutet: jemand hat gewonnen.
Anleger prüfen ihren Status im ESMA-Register. Wer nicht im Register steht, steht nicht im Spiel. Unklar bleibt, wer im Hintergrund die Fäden der Konsultation zieht. Die Schärfe dieser Regulierung liegt nicht in dem, was sie verbietet, sondern in dem, was sie sichtbar macht: den Moment, in dem die Schattenökonomie zur Pflicht wird, sich anzumelden.
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