Augen auf: Novartis will Alcon ganz — und niemand fragt, was es kostet
Das Auge ist ein Markt. Wer es besitzt, besitzt den Blick. Novartis strebt die vollständige Kontrolle über Alcon an — angeblich, um Synergien im Augenpflegegeschäft zu nutzen. In Wahrheit geht es um Monopole: über Glaukomchirurgie und lichtbasierte Ophthalmologie, über Aerie Pharmaceuticals und WaveLight. 9,91 Milliarden Dollar Umsatz 2024, 25.599 Beschäftigte, Sitz in Genf, Wurzeln in Fort Worth. Das ist kein Krankenhaus. Das ist ein Imperium mit sterilen Türen.
Doch das Geschäft hat Risse. Die rechtliche Auseinandersetzung wirft Fragen auf, ob Schweizer oder US-amerikanische Börsenregeln gelten — ein Tauziehen, in dem Minderheitsaktionäre von Alcon Novartis wegen der als unzureichend empfundenen Entschädigung rechtlich herausgefordert haben. Sie fechten keine Zahlung an. Sie fechten eine Arithmetik an, in der ihre Stimme nicht vorgesehen ist. Alcon selbst hat in den vergangenen Jahren mehrere bedeutende Übernahmen getätigt, um seine Marktposition in der Augenpflege zu stärken — jeder Kauf ein Baustein im Fundament dieses Konzerns.
Parallel steht Novartis vor Patentproblemen, die den Zugang zu Generika behindern und die Verfügbarkeit bezahlbarer Behandlungen beeinträchtigen könnten. Was als Synergie verkauft wird, ist für Patienten das Ende einer Wahl. Auf einem anderen Blatt: Die positive CHMP-Empfehlung ist ein bedeutender Schritt, um Behandlungsoptionen für SMA-Patienten zu erweitern. Itvisma, eine einmalige Gentherapie, könnte chronische Behandlungen ersetzen — eine Spritze statt lebenslanger Injektionen. Wer das Patent hält, hält die Lebenslinie.
Ich frage mich, wie ein Konzern, der an einer Stelle die Konkurrenz aussperrt, an anderer das Heil verspricht. Die Antwort steht nicht im Beipackzettel. Sie steht im Geschäftsbericht.
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