Millionen Reichweite, ein Besitzer, null Aufsicht
1937. Jemand bestellt Stahl. Das bedeutet immer dasselbe.
Heute bestellt jemand Reichweite. Algorithmen. Eine Plattform. Elon Musk hat X gekauft, dann die Content-Moderatoren entlassen und die Algorithmen so umgeschrieben, dass seine eigenen Posts mehr Sichtbarkeit bekommen. Das macht man nicht aus Versehen. Das ist Strategie.
Musk ist nicht nur Besitzer. Er ist der lauteste politische Sprecher auf seiner eigenen Plattform. Wann hat es das zuletzt gegeben? Vielleicht bei Pravda, 1950. Damals nannte man es wenigstens noch Propaganda. Musk nennt es Meinungsfreiheit.
X ist heute ein unregulierter Raum. Politische Propaganda läuft ungefiltert. Das Center for Countering Digital Hate hat nachgezählt: Allein von Januar bis August 2024 verbreitete Musk über 50 Beiträge mit erwiesen falschen Wahlbehauptungen. Reichweite: über eine Milliarde Menschen. Gezielte Anzeigen sprechen einzelne Bevölkerungsgruppen mit widersprüchlichen Botschaften an. Misstrauen ist das Produkt.
Parallel läuft TikTok. Trump wollte die Plattform verbieten. Jetzt spielt er Retter. Warum der Sinneswandel? 170 Millionen US-Nutzer. Junge Erwachsene. Genau die Wählerschaft, die man mit Reichweite und Fake News beeinflussen kann, wenn Argumente nicht reichen.
Wer profitiert, liegt auf der Hand: Musk, Trump. Welche Absprachen mit Moskau wirklich auf dem Tisch liegen, bleibt offen. Die Berichte über Musks Kontakte zu Putin stehen im Nebel.
Wer zahlt? Die Wähler. Mit Urteilen, die auf Lügen gebaut sind. Das ist kein Wahlkampf. Das ist ein Gefecht ohne Schiedsrichter. Und der General sitzt bequem in Texas.
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