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Terminal Tribune

17. September 2026

Dossier · Pharma & Medizin

Opioide ohne Beweis: Wie Marketing eine Krise erfand

17. September 2026 — — Dr. L. Rath

Professor Christoph Stein, Charité, schloss es nicht aus. Im März 2018 sprach er auf einem Symposium in Berlin den Satz, den die Pharmaindustrie nicht hören wollte: Deutschland droht eine Opioid-Krise. Die Zahl der verordneten Opioide steigt. Was Stein nicht sagte, und was in keinem Beipackzettel steht: Bei chronischem Nicht-Tumorschmerz fehlt der signifikante Wirksamkeitsnachweis. Was die Mittel zuverlässig liefern, ist Abhängigkeit.

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In den Vereinigten Staaten starben 700.000 Menschen an der Welle, die Purdue Pharma mit OxyContin auslöste. Die Agentur Publicis Healthcare Communications Group aus New York schrieb das Drehbuch. 350 Millionen Dollar zahlte sie im Februar 2024 an die US-Justiz, um den Vergleich zu erreichen. Die Anklage: Man habe „predatorische und irreführende Marketingstrategien" entwickelt, OxyContin als „sicher und nicht missbrauchbar" verkauft und Ärzte zum Überverschreiben gebracht.

Hierzulande schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen 1,5 Millionen Arzneimittelabhängige. Professor Stein sagt, was Aufsichtsräte und Kassen nicht hören wollen: Eine Krise nach US-Vorbild ist möglich. Unklar bleibt, welche deutschen Praxen ihre Leitlinien auf jene Studien stützen, die in Marketingabteilungen formuliert wurden.

Johnson & Johnson focht das Urteil an. Die rechtlichen Folgen bleiben offen. Klar ist: Das Urteil könnte als Präzedenzfall dienen – für andere Bundesstaaten, andere Jurisdiktionen. Komplex bleibt jeder globale Vergleich, denn die Interessen der Beteiligten klaffen auseinander.

Die Pharmaindustrie zahlt die Studien, sitzt in den Aufsichtsräten, schreibt die Kommunikation. Publicis ist ein Knoten im Netz. Welche deutschen Marketingagenturen die anderen Fäden weben – das steht nicht in den Geschäftsberichten, die alle lesen sollten. Es steht in denen, die niemand liest.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 4 Behauptungen belegt
  1. DATUM Opioidkrise 2026

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. DATUM DATUM|(2025) Urteil/Verurteilung (alle Quellen — Titel)

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  3. ZAHL 350 Millionen Dollar

    „s'engage à verser 350 millions de dollars“ — wörtlich im Quelltext belegt

  4. ZITAT Johnson & Johnson wurde für seine Rolle bei der Verharmlosung der Suchtgefahr von Opioiden verantwortlich gemacht

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

5 Quellen · 1 davon belegt · 0 externe Belege · 4 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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