Bankgeheimnis ade: Die Schweiz verhökert ihr letztes Schweigen
Zürich hat geredet. Endlich. Aber wie einer spricht, der drei Jahrzehnte das Maul voller Nummern hatte und jetzt Stück für Stück die Kontonummern ausspuckt.
Die Schweiz passt ihr Bankgeheimnis an internationale Standards an. Anti-Geldwäsche-Gesetze, Konto-Informationsaustausch, Verdachtsmomente, die Auskunftspflichten auslösen. Klingt nach Hygiene. Riecht nach Notwehr.
Konsequenz — Schweizer Banken müssen ihre Präsenz in den USA überdenken. Wer in Dollars wäscht, muss Dollars Regeln schlucken. Diversifizierung nennt das die Etage. Weglaufen nennt es die Straße.
Zwei Konzeptionen: Hier ist Bankgeheimnis Grundrecht. Dort ist es Beweismittel. Anhaltende rechtliche und diplomatische Herausforderungen — das ist die höfliche Lesart für: Beide mauern, jeder mit seinem Mörtel.
Deutsche Finanzinstitute melden Kontoinformationen von im Ausland ansässigen Personen. Buchhalterei als Außenpolitik. Mehr Transparenz, sagen die Anhänger. Mehr Datenkräne, sagen die Übrigen.
Banken müssen bei begründetem Verdacht auf Steuerhinterziehung Auskunft erteilen. Das Bankgeheimnis — Schutzschild, Standortvorteil, Diskretionspanzer — wird porös. Verdacht genügt. Verdacht war schon immer die billigste Waffe.
Die neuen Regeln könnten Schattenbanken in Steueroasen die Anonymität kosten. Cayman, Panama, US Virgin Islands — meine Quellen schweigen, die Bücher bleiben offen. Keine Einblicke, wer dort welche Summen verschiebt. Nur die offene Frage: Wie viele Nummernkonten werden gerade umgeschrieben, während die Tinte noch feucht ist?
Das Abkommen übt Druck aus. Steueroasen sollen Informationsaustausch erfüllen. Sie werden sich biegen oder umbenennen. Beides kostet Geld. Und Geld, meine Herren in Nadelstreifen, hat sehr lange Beine.
1929 wusste ich, was kommt. Ich konnte es niemandem beibringen. Heute schreibe ich es in Pfeifenrauch.
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