Licht an, Rezeptor aus: Das stille Geschäft mit dem Kuschelhormon
Es beginnt mit einem Lichtschalter und endet mit einem Kontoauszug. Dazwischen liegt MZ03D — ein Molekül, das den Oxytocin-Rezeptor hemmen sollte. Es tat es einmal. Dann nie wieder. Die Wissenschaft nennt das: Ergebnisse nicht reproduzierbar, weitere Forschung notwendig. Ich nenne es: jemand hat sich zu früh gefreut.
Drei Kandidaten standen am Start des Labors: RR007, RR001, MZ03D. RR007 fiel aus der Lösung wie ein schlechtes Alibi. RR001 weigerte sich, auf Licht zu reagieren — keine Photoisomerisierung, keine biologische Prüfung. Blieb MZ03D. 300 Mikromolar in 5 Prozent DMSO, brav löslich, brav isomerisierbar. Einmal wirksam. Dann Stille. Solubilität und Photoisomerisierung — das sind die zwei Türen, die jeder Kandidat durch muss. MZ03D hat sie geöffnet. Dahinter: nichts, was man halten konnte.
Das ist der Traum jedes Pharma-Managers: ein Hormon, das Bindungen schmiedet, Autismus, Sucht und soziale Angst im Griff haben soll. Andreas Plückthun hat den dreidimensionalen Bauplan des Oxytocin-Rezeptors entschlüsselt — mitsamt Retosiban, einem Wehenhemmer, der seit dreißig Jahren auf seinen Schlüssel wartete. Cholesterin. Magnesium. Zwei bisher unbekannte Bindestellen. Vasopressin-Rezeptoren warten im selben Korridor — Nierenerkrankungen, Herzinsuffizienz, Störungen des Autismus-Spektrums. Das steht in der Publikation.
Was nicht darin steht: wem es gehört.
Denn das eigentliche Geschäft wird woanders verhandelt. 153 Seiten Vertraulichkeitsvereinbarung, 2015 unterzeichnet zwischen NIH und Moderna. NIAID und Moderna als gemeinsame Eigentümer der mRNA-Impfstoffkandidaten. Sechs Milliarden Dollar, die die US-Regierung an Moderna überwiesen haben soll — für ein Produkt, das sie selbst mitbesitzt. Der Erfinder des Polio-Impfstoffs weigerte sich zu patentieren. Hier wurde mitbesessen, mitverdient, mitregiert. Öffentlich-private Partnerschaft, sagen die einen. Strukturelle Verfilzung nenne ich es.
Und dann die Phase-3-Studien. Vorwürfe der Datenmanipulation. Druck während einer Pandemie, als Geschwindigkeit über Sorgfalt triumphierte. FDA und Experten bestätigen: die Fehler stellen die Wirksamkeit nicht infrage. Das mag gelten. Es stellt aber die Glaubwürdigkeit jener Institutionen infrage, die gleichzeitig prüfen und besitzen.
Die Forschung muss weitergehen. Das ist unbestritten. Die Frage ist nur, wer den Lichtschalter bedient — und wer im Schatten mitzählt.
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