Börse 1937
Terminal Tribune

18. September 2026

Dossier · Pharma & Medizin

DIE QUITTUNG: JOHNSON & JOHNSON VOR GERICHT

18. September 2026 — — Dr. L. Rath

Oklahoma. Richter Thad Balkman. 26. August. 572 Millionen Dollar. Es ist kein Sieg. Es ist eine erste Rechnung.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Johnson & Johnson hat Opioide vermarktet, als wären sie Bonbons für ein Land, das ohnehin nach Schmerzmitteln hungerte. Richter Balkman sprach von „widerrechtlicher Vermarktung". Das ist Juristensprache für: Ihr habt gewusst, was ihr verkauft. Ihr habt gewusst, was es anrichtet. Ihr habt trotzdem verkauft.

Die Struktur dahinter kenne ich aus jeder Klinik, in der ich je stand. Wer das Rezept schreibt, verdient am Patienten. Wer das Marketing bezahlt, verdient am Rezept. Wer im Aufsichtsrat sitzt, verdient am Aktienkurs. Eine Kette, deren Glieder alle nach oben weisen, während das letzte auf einer Bahre liegt.

Oklahoma ist nicht reich. Nicht leise. Vergisst nicht. 572 Millionen als Signal an Ohio, wo ab 21. Oktober der große Multidistrikt-Prozess beginnt. Zwei Verfahren, ein Konzern, eine Frage: Wie viele Tote muss ein Unternehmen auf seinem Konto haben, bevor die Justiz nicht mehr wegschaut?

Die Botschaft an andere Staaten: Wer klagt, gewinnt. Wer Beweise sammelt statt Blumen, gewinnt. Wer Geschäftsberichte liest statt Pressemitteilungen, gewinnt.

Aber J&J steht nicht nur wegen Opioiden vor Gericht. Die Talcum-Klagen sind eine eigene Front: 1,5 Milliarden Dollar Verurteilung. 57 Prozent der talc-only-Kläger sind Frauen – jünger diagnostiziert als noch vor fünf Jahren. 40 Prozent der Mesotheliom-Verfahren betreffen inzwischen Talkum-Puder, nicht mehr Asbest, nicht mehr Baustellen.

Das ist die Mechanik der Pharmazie: Heute Opioid, morgen Talkum, übermorgen das nächste Molekül, das im Labor sicher wirkt und auf dem Markt tötet. Die Namen wechseln. Die Strategie bleibt.

Offen bleibt, wer im Aufsichtsrat wann gewusst hat, was im Beipackzettel steht. Offen bleibt, welche internen Mails die Ohio-Geschworenen noch sehen werden. Offen bleibt, wie viele Bundesstaaten diesem Urteil folgen.

Eines ist sicher: Vor achtzig Jahren hätte man diese Quittung nicht bekommen. Heute bekommt man sie. Es ist kein Trost. Es ist ein Anfang.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZAHL 10 Mrd. $ Schadensersatz

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. DATUM 2026

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  3. ZITAT Die Entscheidung zeigt die Bereitschaft der Gerichte, erhebliche Geldstrafen gegen Pharmaunternehmen zu verhängen.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  4. ZAHL 1,5 Mrd. $ Urteil gegen Johnson & Johnson

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  5. ZAHL 57% der talc-only Kläger sind Frauen

    im Quelltext gefunden

5 Quellen · 1 davon belegt · 0 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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