Putins zweite Front in Mexiko und Argentinien
Man zeigt Ihnen eine Bühne, und Sie sehen die Bühne. Ich sehe, wer die Beleuchtung bezahlt. In Mexiko-Stadt und Buenos Aires, jenen Städten, die einander so fern und so ähnlich sind wie zwei Spiegelungen desselben vergessenen Versprechens, hat sich eine Erzählung eingenistet, die nicht dort geboren wurde. Sie kommt aus Moskau, spricht Spanisch und trägt den Namen RT. Sie dient Putin.
Was wie Journalismus aussieht, ist ein Manöver. Vladimir Rouvinski hat es Reporters Without Borders erklärt, ohne mit der Wimper zu zucken: RT ist keine Redaktion, sondern eine Waffe. Deren Kaliber in Rubel, deren Munition in Schlagzeilen, deren Ziel die westliche Hemisphäre. Die Strategie ist so einfach wie unanständig: einseitig erzählen, Russland niemals kritisieren, den Zuschauer dort abholen, wo sein Ärger wohnt. Migration, Menschenrechte, Umwelt — stets ist Amerika schuld. Russland? Stets makellos.
Während Washington in Caracas und anderswo mit Sanktionen und militärischer Härte regiert — was lateinamerikanische Führer nennen, was es ist: neokoloniale Erpressung —, nutzt Moskau jede Wunde. Mexiko, Argentinien: zwei Länder, die der Dollar erpresst und die Geschichte halb vergessen hat, werden zum Sprachrohr einer Macht, die ihre eigene gewaltsam umschreibt. Bleiben die US-Beziehungen, wie sie sind, gerät die regionale Stabilität in Lateinamerika auf die Verliererstraße.
Dass Plattformen wie X einem einzigen Mann gehören, der mit Washington verhandelt, als wäre Twitter eine Währung, verschärft die Sache. Wer die Kamera besitzt, besitzt das Bild. Die wirtschaftliche Asymmetrie, die sich im iPhone-Preis ablesen lässt — Indien braucht die meisten Arbeitstage, Mexiko und Argentinien liegen nicht weit dahinter —, ist der Boden, auf dem diese Saat keimt. Wer arm ist, hört zu.
Offen bleibt, wessen Erzählung als nächste bezahlt wird.
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