Moderna schaltet um: vom Patentverzicht zum Patentgeschäft
50 Mikrogramm. Halbe Dosis, doppelter Markt.
Stéphane Bancel, CEO von Moderna, hat bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA den Antrag auf bedingte Marktzulassung für eine Booster-Impfung gestellt — 50 µg, halb so viel wie bei der Erst- und Zweitimpfung. In den USA liegt der gleiche Antrag bereits bei der FDA. Am 17. September berät die FDA über das Biontech-Pendant Comirnaty. Beide Anträge. Parallel. Synchron. Beschleunigt.
Die geänderte Phase-II-Studie liefert das Lieblingswort der Pandemie: robuste Antikörperreaktionen gegen die Delta-Variante. mRNA-1273 — so der Wirkstoff, hinter dem ein Unternehmen ohne profitables Kernprodukt steht. Was die Studie nicht verrät: wer die Endpunkte definiert hat, wer im Aufsichtsrat sitzt, wer die Begleitumstände kennt und wer am Ende das Honorar nimmt.
Moderna ist ein Verlustunternehmen mit Börsenfantasie. Hohe Verluste, unsichere klinische Ergebnisse, ein Aktienkurs, der von jeder positiven Meldung zehrt. Amgen daneben: starke Profitabilität, diversifiziertes Portfolio, solide Dividende, etablierte Produkte. Der Vergleich zeigt, wer Cash produziert und wer Cash verbrennt. Moderna verbrennt — und braucht jeden Booster.
Und hier kippt die Geschichte. Während der Pandemie verzichtete das Unternehmen auf die Durchsetzung seiner Patente — mRNA-1273 durfte nachgebaut werden, die Welt brauchte Impfstoff. Jetzt, wo die Auffrischung zum Pflicht- und Geschäftsthema wird, schaltet Moderna um: geistiges Eigentum wird wieder verteidigt. Die Strategie ist lesbar. Erst Weltgesundheit. Dann Aktionärsgesundheit.
Politische Unterstützung für strengere Impfstoffanforderungen in Europa könnte die Zulassung beschleunigen. Offen bleibt, wer diese Linie formuliert hat, wer die Daten liefert, die sie rechtfertigen, wer am Ende profitiert. Bancel sagt: „Wir freuen uns." Die Aktionäre sicher auch.
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