Die Causa, die keine ist: Finma, Julius Bär und das venezolanische Schwarz
Man nehme einen ehemaligen Chef, drei Schatten, einen Ölkonzern namens PDVSA und das Wort "kausal". Es gehört zu jenen Vokabeln, die in der Schweiz so lange gewogen und zerlegt werden, bis nichts mehr auf der Waage liegt. Die Finanzmarktaufsicht Finma hat Bilanz gezogen zu den Geldwäschereimängeln bei Julius Bär rund um Korruptionsfälle in Venezuela. Vier hochrangige Manager standen auf dem Präsentierteller. Das Resultat: ein Verfahren gegen einen, zwei schriftliche Rügen, ein vierter Fall, der in der Versenkung verschwand, weil der Betroffene glaubwürdig versprach, künftig auf Führungspositionen zu verzichten. Ein Berufsverbot? Fehlanzeige. Die Behörde könne ein solches nur bei "direkter, individueller und kausaler" Verantwortung aussprechen. Hierarchie allein genüge nicht.
Take a former chief executive, three shadows, an oil company called PDVSA, and the word "causal." It belongs to that class of vocabulary in Switzerland that is weighed and dissected until nothing remains on the scale. The financial markets supervisor Finma has taken stock of the anti-money-laundering failings at Julius Bär surrounding corruption cases in Venezuela. Four senior managers were put on the spot. The result: proceedings against one, two written reprimands, and a fourth case that vanished into the void because the person concerned credibly promised to refrain from holding leadership positions in future. A professional ban? Not a chance. The authority can impose one only in cases of "direct, individual, and causal" responsibility. Hierarchy alone will not suffice.
Zu den Gerügten gehört Boris Collardi, einst CEO, heute Partner bei Pictet. Collardi spricht von einem Schlusspunkt, Pictet drückt ihm das Vertrauen aus — jene Genfer Geste, die jenen reserviert bleibt, die sich als nützlich erwiesen. Laut Presseberichten zählt auch Nachfolger Bernhard Hodler zu den Betroffenen, zwei weitere Manager waren für Lateinamerika zuständig. Namen bestätigt niemand.
Die Sache verfolgt Julius Bär seit Jahren. 2018 wurde ein deutscher Ex-Banker in den USA festgenommen; er gestand später. Die Spur führt nach Caracas, zu Petróleos de Venezuela. Was die Finma jetzt vorlegt, ist weniger Aufklärung als Architektur des Verschleppens: Warnindikatoren oft unzureichend definiert, Risikoanalysen zu wenig detailliert, bei über dreissig Banken erneut geprüft, ein spezialisierter Ausschuss im Verwaltungsrat eingerichtet. Auch organisatorische Mängel und Fehlanreize in der Vergütung hätten die Verstösse begünstigt.
Man darf fragen, warum eine Aufsicht, die Causa so penibel von Korrelation trennt, sehr wohl Strukturen — Vergütung, Organisation, Risikoanalyse — als ursächlich benennt, beim einzelnen Menschen aber verstummt. Es ist, als reisse man das Gebäude ein und grüsse die Mieter höflich. Wer profitiert? Die Bank. Der Manager, der seinen Schlussstrich zieht. Die Aufsicht, die ihre Erwartungen bloss präzisiert. Unklar bleibt, wer in Caracas die Quittungen unterschrieb. Auch das ist eine Form von Kausalität.
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