Börse 1937
Terminal Tribune

20. September 2026

Dossier · Politik & Macht

Die Causa, die keine ist: Finma, Julius Bär und das venezolanische Schwarz

20. September 2026 — — Kastner

Man nehme einen ehemaligen Chef, drei Schatten, einen Ölkonzern namens PDVSA und das Wort "kausal". Es gehört zu jenen Vokabeln, die in der Schweiz so lange gewogen und zerlegt werden, bis nichts mehr auf der Waage liegt. Die Finanzmarktaufsicht Finma hat Bilanz gezogen zu den Geldwäschereimängeln bei Julius Bär rund um Korruptionsfälle in Venezuela. Vier hochrangige Manager standen auf dem Präsentierteller. Das Resultat: ein Verfahren gegen einen, zwei schriftliche Rügen, ein vierter Fall, der in der Versenkung verschwand, weil der Betroffene glaubwürdig versprach, künftig auf Führungspositionen zu verzichten. Ein Berufsverbot? Fehlanzeige. Die Behörde könne ein solches nur bei "direkter, individueller und kausaler" Verantwortung aussprechen. Hierarchie allein genüge nicht.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Zu den Gerügten gehört Boris Collardi, einst CEO, heute Partner bei Pictet. Collardi spricht von einem Schlusspunkt, Pictet drückt ihm das Vertrauen aus — jene Genfer Geste, die jenen reserviert bleibt, die sich als nützlich erwiesen. Laut Presseberichten zählt auch Nachfolger Bernhard Hodler zu den Betroffenen, zwei weitere Manager waren für Lateinamerika zuständig. Namen bestätigt niemand.

Die Sache verfolgt Julius Bär seit Jahren. 2018 wurde ein deutscher Ex-Banker in den USA festgenommen; er gestand später. Die Spur führt nach Caracas, zu Petróleos de Venezuela. Was die Finma jetzt vorlegt, ist weniger Aufklärung als Architektur des Verschleppens: Warnindikatoren oft unzureichend definiert, Risikoanalysen zu wenig detailliert, bei über dreissig Banken erneut geprüft, ein spezialisierter Ausschuss im Verwaltungsrat eingerichtet. Auch organisatorische Mängel und Fehlanreize in der Vergütung hätten die Verstösse begünstigt.

Man darf fragen, warum eine Aufsicht, die Causa so penibel von Korrelation trennt, sehr wohl Strukturen — Vergütung, Organisation, Risikoanalyse — als ursächlich benennt, beim einzelnen Menschen aber verstummt. Es ist, als reisse man das Gebäude ein und grüsse die Mieter höflich. Wer profitiert? Die Bank. Der Manager, der seinen Schlussstrich zieht. Die Aufsicht, die ihre Erwartungen bloss präzisiert. Unklar bleibt, wer in Caracas die Quittungen unterschrieb. Auch das ist eine Form von Kausalität.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 3 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Die Finma konnte keine direkte, kausale Verantwortung für die Verstöße nachweisen, was ein Berufsverbot verhindert.

    „Genügende Hinweise für eine direkte, kausale Verantwortung für die schwere Verletzung von Aufsichtsrecht lägen aber nicht vor.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT Geldwäschereimängel betreffen Korruptionsfälle in Venezuela im Zusammenhang mit PDVSA.

    „Das Thema der Geldwäscherei rund um Korruptionsfälle beim venezolanischen Ölkonzern Petróleos de Venezuela PDVSA verfolgt Julius Bär seit mehreren Jahren.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZAHL Die Finma eröffnete Verfahren gegen einen ehemaligen Manager von Julius Bär und rügte zwei weitere Personen.

    „Die Finanzmarktaufsicht Finma hat nun ein Verfahren gegen einen der Bär-Manager eröffnet und zwei weitere Personen schriftlich gerügt.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  4. ZITAT Die Finma hat ihre Erwartungen an die Geldwäschereirisikoanalyse präzisiert, um Geldwäsche zu verhindern.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  5. ZITAT Warnindikatoren sind häufig unzureichend definiert und führen zum Übersehen von Risiken.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

5 Quellen · 3 davon belegt · 0 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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