Im weißen Kittel: Wer schweigt, wer zahlt, wer fragt nach
Die Pfeife glüht. Ich notiere. Eine Biotech-Firma, die Sporternährung verkauft, liefert das Infomaterial für eine Debatte über Whistleblower und BSL-4-Labore. Man darf das zweimal lesen. Ich habe es dreimal gelesen. Die Terminal Tribune bekam eine Quelle zugespielt, die mit dem Thema Vektorübertragungskatastrophen in Hochsicherheitslaboren ungefähr so viel zu tun hat wie ein Proteinriegel mit Pesterregern — nämlich nichts. Und genau das ist der Punkt, meine Damen und Herren.
Der Fall Becky McClain steht für etwas, das die Branche lieber vergessen möchte. Eine Laborantin, krank, ihre Hinweise auf Sicherheitsmängel verschluckt von der eigenen Verwaltung. Keine Sportlergymnastik. Ein Mensch, zerrieben zwischen Kittel und Aktenmappe. Wer damals schwieg, schweigt heute aus Gewohnheit.
BioTechUSA betont Qualität, reiht Zertifizierungen aneinander, passt das Angebot an Markt und Kundschaft an. Sauber, werblich, nützlich. Nur: das hat mit der Frage, wie ein BSL-4-Labor seine Vektoren verliert, nichts zu tun. Wenn eine Sporternährungsfirma den Lackmustest für Gentechniksicherheit liefern soll, werden wir Zeugen einer eleganten Verwechslung. Die Infografik preist GM-Pflanzen als sicher, manchmal gesünder. Schön. Aber wer hat das gemessen, wer hat widersprochen, was wurde nicht veröffentlicht?
Rechenschaftspflicht ist kein Marketing. Aufsicht ist kein Slogan. Wer Biotechnologie verantworten will, muss Whistleblower schützen, bevor sie krank werden — nicht nachdem die Anwälte bezahlt sind.
Wer also hat im stillen Kämmerlein entschied, dass ausgerechnet dieser Konzern die Plattform für eine Debatte über Laborverantwortung liefern darf?
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