Börse 1937
Terminal Tribune

21. September 2026

Dossier · Politik & Macht

Die Gentlemen und ihr langer Schatten

21. September 2026 — — Kastner

Die Gruppierung nennt sich höflich. thegentlemen. Als wäre das, was sie tun, eine Etikettefrage. Am 15. Juni 2026 erschien eine Steuer- und Rechtsberatungskanzlei aus dem Hamburger Raum auf deren Leak-Seite. Die Liste der üblichen Beute: Mandantenakten, Bilanzen, Steuerdaten, Verträge — Dinge, bei denen ein einziger erfolgreicher Angriff wirtschaftliche und berufsrechtliche Erdbeben auslöst. Parallel dazu greift Rhysida Anfang August das Netz der Berliner Verwaltung. 5,8 Terabyte, etwa 1,44 Millionen Dateien. Betroffen sind die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung sowie für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Offizielle Sprecher betonen die geringe Geheimnisstufe. Eine Beruhigungspille. Denn was wirklich zählt, sind Namen, Adressen, E-Mail-Adressen — Rohstoff für Phishing. Die Berliner Senatskanzlei hat eine Koordinierungsstelle eingerichtet; ein Name, der nach Koordination klingt, nicht nach Aufklärung. Monate soll die Untersuchung dauern. In der Zwischenzeit? Bürger können auf „Have I Been Pwned" prüfen, ob ihre Adressen im Umlauf sind. Passwörter ändern. Verdächtige Mails ignorieren. Das ist die Hausapotheke gegen eine Seuche, deren Erreger längst in der Luft liegt. Identitätsdiebstahl, unbekannte Abbuchungen — kein Restposten der Digitalisierung, sondern deren Logik. Die Veröffentlichung auf Leak-Seiten zermalmt das Vertrauen der Mandanten und kann die Kanzlei in wirtschaftliche Schwierigkeiten stürzen. Und während die Koordinierungsstelle koordiniert, zeigen Ermittlungen wie jene in Flensburg — Festnahme eines mutmaßlichen Darknet-Täters am 17. September 2026 durch die Staatsanwaltschaft Itzehoe und das Kommissariat 9 der Bezirkskriminalinspektion Flensburg — was möglich wäre: internationale Zusammenarbeit, fortschrittliche Methoden, Druck. Unklar bleibt, warum von dieser Härte so wenig bei denjenigen ankommt, deren Archive gerade geleert werden. Vielleicht, weil Koordination leiser ist als Verhaftung. Vielleicht, weil die Gentlemen wissen, dass Diskretion sie schützt.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Bürger können auf Plattformen wie 'Have I Been Pwned' prüfen, ob ihre E-Mail-Adressen betroffen sind, und sollten ihre Passwörter ändern sowie Vorsicht bei verdächtigen E-Mails walten lassen.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZITAT Die Berliner Senatskanzlei hat eine Koordinierungsstelle eingerichtet, um die Daten zu untersuchen und Betroffene zu informieren.

    „Die Berliner Senatskanzlei hat eine spezielle Koordinierungsstelle eingerichtet, die in den kommenden Monaten alle geraubten Daten untersuchen soll, um anschließend festzustellen, inwiefern die Berliner davon betroffen sind.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZITAT Die Daten des Hackerangriffs könnten für Phishing-Angriffe missbraucht werden, was die Notwendigkeit erhöht, die eigene Datensicherheit zu überprüfen.

    „Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) können die gestohlenen Daten für verschiedene Zwecke missbraucht werden, zu denen auch mögliche Phishing-Angriffe auf Privatpersonen zählen.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  4. ZITAT Die Veröffentlichung auf Darknet-Leak-Seiten kann das Vertrauen der Mandanten erheblich beeinträchtigen und die Kanzlei in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  5. ZITAT Die Gruppierung 'thegentlemen' ist bekannt für Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen, was die Bedrohungslage für Kanzleien unterstreicht.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

5 Quellen · 2 davon belegt · 0 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

Erwähnt in diesen Akten

Aus diesem Ressort