Zwei Inseln, ein Geschäft: Wie Fonds zwischen Cayman und BVI wählen
Die Kontonummer ist der Anfang. Wer sie hat, hat alles. Auf den Cayman Islands ist sie leichter zu bekommen — dort sitzen die großen internationalen Banken, dort öffnen sich Schalter schneller, dort fließt Geld in operativ effizienten Bahnen. Auf den Britischen Jungferninseln ist das anders: weniger Bankbeziehungen, mehr Wartezeit. Für einen Fonds bedeutet das: Wer institutionelles Kapital bewegen will, geht nach Cayman. Wer gerade erst anfängt und jeder Dollar zählt, bleibt in der BVI.
Die Zahlen lügen nicht, aber sie ordnen sich nach Interesse. BVI: günstiger, flexibler lizenziert, ideal für aufstrebende Manager und kleinere Fonds. Cayman: reifere Regulatorik, keine strengen Investitionsbeschränkungen, attraktiv für etablierte Häuser. Beide Jurisdiktionen — und das ist der Kern — sind steuerneutral. Keine Einkommensteuer, keine Kapitalertragsteuer, keine Quellensteuer. Was bleibt, ist die Frage, wem die Architektur nützt.
Die Instrumente sind präzise gebaut. Exempted Companies auf Cayman — garantiert für zwanzig Jahre steuerfrei, erneuerbar. Segregated Portfolio Companies: mehrere Portfolios unter einem Dach, jedes rechtlich abgeschottet, jedes mit eigener Bilanz. Risiken werden so verteilt, dass ein Portfolio nicht für das andere haftet. Compliance wird sichergestellt, sagen die Anwälte. Die Strukturen sind spezialisiert, sagen die Berater. Die Bücher sind nicht ausgeglichen, sage ich.
Beide Standorte verlangen Transparenz — auf ihre Weise. BVI: jährliche Finanzberichte. Cayman: jährliche Rückmeldung und Gebühren, weniger Aufwand. Klingt nach weniger Bürokratie. Ist es auch. Doch Cayman unterwirft sich zugleich strengeren Compliance-Regimen: FATCA, CRS — die internationalen Überwachungsarchitekturen, die das Offshore-Geschäft in neue Formen gezwungen haben. Die BVI bleibt leichter. Offen bleibt, wer vom schlankeren BVI-Regime profitiert — der aufstrebende Manager oder der, der weniger gesehen werden will.
Über 100.000 registrierte Unternehmen auf Cayman, rund 12.000 registrierte Investmentfonds, der Großteil der weltweit größten Hedgefonds als Domizil, die Cayman Islands Stock Exchange für strukturierte Produkte. Das ist kein Zufall. Das ist Architektur. Die Wahl zwischen Cayman und BVI ist keine Steuerfrage — beide sind neutral. Es ist eine Frage der Investorenerwartung, der regulatorischen Schwere und der Kosten. Wer institutionelles Kapital hebt, zahlt die Prämie für Caymans Robustheit. Wer gerade erst startet, nimmt BVI und erklärt es den Investoren später. Das Muster ist alt. Die Bücher sind nie ausgeglichen.
❖ Ende des Artikels ❖
