Dreht am Hahn bis das Blut kommt
300 bis 400 Millionen Fass. So sieht Rettung aus, wenn sie aus dem Boden kommt. Die G7-Finanzminister und die Internationale Energieagentur sitzen in einer Konferenzschaltung und beraten, wie viel strategisches Öl sie auf den Markt werfen können, um den Preisauftrieb nach der Sperre der Straße von Hormus zu dämpfen. Ein Viertel bis fast ein Drittel der gesamten strategischen Reserve von 1,2 Milliarden Fass. Rekordmenge. Antwort auf einen Krieg.
Wer dreht hier eigentlich?
Die IEA, 32 Mitgliedsländer, koordiniert. Klingt nach internationaler Solidarität. Riecht nach Notstand. Die G7 haben zuletzt 2022 nach dem Überfall auf die Ukraine Reserven freigegeben. Jetzt wieder. Die Erinnerung ist kurz im Westen. Das Öl ist lang im Boden. Was bleibt, ist die Frage, wem die Stabilisierung nützt. Den Autofahrern an der Zapfsäule? Oder den Strukturen, die jeden Preisanstieg als Begründung nehmen, um langfristig neue Abhängigkeiten zu zementieren.
Dann sind da die anderen.
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie haben ihre Exporte bereits erhöht, in Erwartung von Lieferausfällen. Opec+ erwägt eine stärkere Förderausweitung. Der Iran, drittgrößter Opec-Produzent, ist derjenige, gegen den die Bomben fallen. Die Kartellbrüder pumpen mehr, während das eigene Mitglied brennt. Wer bestimmt hier den Preis — die Mineralölkonzerne oder die Gewehrläufe? Die Antwort kennt jeder, der einmal auf einem texanischen Ölfeld gestanden hat.
Was hier trägt, ist eine alte Choreografie. Krieg im Ölland. Sperre der wichtigsten Seestraße der Welt. Panik an den Börsen. Dann die staatliche Intervention. Dann das Lob für koordiniertes Handeln. Was im Subtext bleibt: Welche Konzerne sichern sich langfristige Lieferverträge zu Discount-Preisen, während die Reserven den freien Markt beruhigen? Wer kauft das iranische Öl auf Umwegen, das offiziell niemand kaufen darf? Welche Versicherungs- und Reedereigewinne laufen parallel mit?
Die Straße von Hormus ist blockiert. Die strategischen Reserven werden geöffnet. Und am Ende zahlt es der Mann an der Zapfsäule. Oder die Frau. Oder der LKW-Fahrer, der um drei Uhr nachts die Route nimmt.
Unklar bleibt, wer am Ende den langfristigen Vertrag bekommt.
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