Börse 1937
Terminal Tribune

22. September 2026

Dossier · Energie & Klima

Rohre unter der See, Hände in fremden Taschen

22. September 2026 — — Hollis

1937 dreht jemand den Hahn auf. 2019 dreht jemand anders ihn zu. Dazwischen liegen achtzig Jahre Pipeline-Geschichte und immer dieselbe Frage: Wer hat den Griff in der Hand?

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Nord Stream 2. Zwei Worte, an denen sich Abhängigkeiten entscheiden. Russisches Gas fließt unter der Ostsee nach Deutschland, und in Washington läuft ein Mechanismus an, der aussieht wie Energiepolitik, aber nach etwas anderem riecht. Die USA wollen die Pipeline stoppen. Mit Sanktionen. Gegen wen? Gegen Allseas, eine holländische Firma, die das Rohr verlegt. Spezialisiert. Ersetzbar? Kaum. Das zeigt die unmittelbare Wirkung amerikanischer Sanktionen auf internationale Firmen — und es zeigt, wessen Befehle auf diesem Kontinent zählen.

Was bedeutet das? Amerika bestraft ein europäisches Unternehmen dafür, dass es eine deutsch-russische Pipeline baut. Die US-Regierung bleibt standhaft. Die Weigerung, Kompromisse einzugehen, offenbart die strategische Bedeutung des Projekts — und die Machtnetzwerke dahinter. Deutschland betrachtet die Pipeline als wichtiges Energieprojekt. Die USA sehen sie als Bedrohung der europäischen Energiesicherheit. Beide Seiten reden von Autonomie. Beide meinen ihre eigene.

Die Kontroverse unterstreicht vor allem eines: Diversifizierung ist ein schönes Wort, solange Washington bestimmt, woher Europa sein Gas bekommt. Die Sanktionen führen zu Spannungen zwischen den USA und der EU, besonders Deutschland, und werfen Fragen auf, die niemand offen stellt. Energieautonomie. Politische Souveränität. Wem gehört der Hahn?

Ich habe auf Ölfeldern gearbeitet. Ich weiß, wie eine Pipeline riecht. Nicht nach Gas. Nach Macht. Nord Stream 2 ist kein Rohr. Sie ist ein Hebel. Die Maßnahmen belasten die Beziehungen zwischen Washington und Berlin. Sie treffen Allseas, das sich zurückzieht. Sie treffen am Ende die Verbraucher an der Zapfsäule.

Offen bleibt, wer profitiert, wenn europäisches Gas teurer wird. Unklar bleibt, welche Verträge im Hintergrund laufen. Eines ist sicher: Der Hahn wird gedreht. Nicht von uns.

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