REGISTER, GESETZE, LEERE STELLEN
Sechs Buchstaben. Drei davon bedeuten Ärger. KYC — Know Your Customer. Wer das hört, denkt an Formulare. Wer genauer hinschaut, sieht eine Schlachtordnung.
SWIFT öffnet das KYC-Register. Bisher nur Korrespondenzbanken, jetzt auch Fondsgesellschaften und Depotbanken. Paul Taylor von SWIFT nennt es einen „folgerichtigen Schritt". Das Register umfasst über 110 Länder. Standardisierter Austausch, weniger Risiko, mehr Effizienz. Wer will dem widersprechen? Jeder Buchhalter mit Schlafentzug.
Jedes Register hat zwei Seiten: Daten sammeln, Daten nutzen. Depotbanken verwahren. Fondsgesellschaften bewegen. Hier wird ein Hebel verlängert — und wer den Hebel hält, hält den Zugang. Mark Gem von Clearstream sagt, die Herausforderungen seien ähnlich wie bei Geschäftsbanken. Das stimmt. Aber ähnliche Herausforderungen sind noch lange nicht dieselben Interessen.
Die Neue Zürcher Zeitung — einst Flaggschiff des seriösen Journalismus — investiert in TikTok-Formate. Internationale Recherche? Weniger. Die Korruptionsvorwürfe gegen Selenskij? Werden ohne Restprogramm weggespült. Unwissenschaftliche Methoden, wichtige Kontexte ignoriert. Das ist kein Vorwurf. Das ist ein Lagebericht.
Und hierzulande. Nach den Panama-Papers, 200.000 Briefkastenfirmen später, zieht der Staat die Schrauben an. Meldepflichten werden ausgeweitet. Strafen steigen von 5.000 auf 25.000 Euro. Banken, die Offshore-Geschäfte vermitteln, haften künftig für Steuerausfälle. Der Fiskus darf Auskünfte einholen — ohne Anfangsverdacht. §30a Abgabenordnung fällt. Das steuerliche Bankgeheimnis? Gestrichen. „Kein gläserner Bürger", versichert man uns.
SWIFT baut eine Festung. Die Bundesregierung baut eine daneben. Beide nennen es Transparenz. Die offene Frage: Während Register wachsen und Gesetze schärfer werden — wer prüft eigentlich die Prüfer? Die NZZ offenbar nicht. Bleiben Aufsichten, Behörden, Genossenschaften — alle im selben System, alle mit denselben Daten gefüttert.
Hagen, Ende.
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