Moratorium mit Zahnlücken
Washington hat unterschrieben. Trump, Kennedy, Bhattacharya — die Inszenierung war ordentlich. Auch ich notiere, dreißig Jahre zu spät: Wenn Politik sich mit Laboren ablichten lässt, will sie etwas verkaufen. Was hier verkauft wird, ist Kontrolle.
Die Verordnung stoppt die staatliche Finanzierung von Gain-of-Function-Forschung in Ländern mit unzureichender Aufsicht — genannt werden China, Iran, andere. Wer «unzureichend» definiert, sagt das Dokument nicht. Unklar bleibt auch, nach welchem Maßstab künftig private und universitäre Labore im Inland überwacht werden sollen — obwohl die Verordnung genau dies erstmals ausdrücklich beauftragt.
Beim Personal wird es interessant. Kennedy erklärt, man könne «in der gesamten Geschichte der Gain-of-Function-Forschung nicht auf eine einzige gute Sache verweisen, die dabei herausgekommen wäre». Bhattacharya sekundiert: jede beteiligte Nation gefährde ihre Bevölkerung und die Welt. Worte wie diese brauchen Dolmetscher. Das deklarierte Ziel — das Risiko unbeabsichtigter Lecks zu minimieren — ist eine Formulierung, die jeder Forschungslobbyist unterschreiben kann.
Die zweite Komponente: Hochrisikoexperimente in den USA werden pausiert, bis eine «sicherere, leichter durchsetzbare und transparentere» Methode entwickelt ist. Wer diese findet, wer Standards setzt, wer die Übergangsphase kontrolliert — alles offen. Regulatorische Rahmenbedingungen und ethische Überlegungen seien entscheidend. Das ist der Satz, mit dem man alles und nichts zugleich sagt.
Dann das Eingeständnis, das in dieser Geschichte das eigentlich Neue ist. Dr. Lawrence A. Tabak hat zugegeben, dass die NIH diese Forschung finanziert haben — was frühere Aussagen von Dr. Anthony Fauci widerspricht. Fauci schwieg damals, als die Frage nach Wuhan gestellt wurde. Tabak spricht jetzt, weil die Aktenlage ihn zwingt. Wessen Karriere hier ruiniert und wessen gerettet wird, lässt sich mit dem Material, das mir vorliegt, nicht abschließend beantworten.
Was nicht gemessen wird: die sieben Laborinfektionen an der UNC-Chapel Hill zwischen 2020 und 2021, die nur durch Whistleblower öffentlich wurden. Die Einbeziehung militärischer Einheiten in zivile Angelegenheiten und die Zentralisierung von Machtstrukturen — in der Verordnung nicht thematisiert — werfen Fragen zur dualen Verwendung auf. Wer profitiert? Die neue NIH-Spitze, die sich als Hüterin positioniert. Kennedy, dessen Lebenswerk als Minister bestätigt wird.
Ich rauche meine Pfeife. Die Frage, die bleibt: Wessen Namen fehlen in dieser Verordnung — und warum gerade diese?
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