Rothschilds drängen in neue Märkte — die alte Garde denkt in Generationen
Die Rothschilds rücken vor. Wieder einmal. Die Bankengruppe, einst verstaatlicht unter Mitterrand, hat sich international neu aufgestellt und ihre Präsenz in aufstrebenden Märkten verstärkt. Das ist keine Anpassung. Das ist Strategie.
Wer profitiert? Folgt man dem Geld, landet man bei der Rothschild & Co in Paris und London. Die Dynastie hat an einigen der größten globalen Finanztransaktionen mitgewirkt — AIG, VW, Petrobras stehen beispielhaft für ein Netzwerk, das Staaten, Konzerne und Vermögen verbindet. Beratung und Vermögensverwaltung, immer nah am großen Kapital.
In Frankreich führte David de Rothschild die Familienbank nach der Verstaatlichung 1981 zurück auf das Parkett. Seit 1989 gewinnt die Dynastie auch in Deutschland an Boden. Der Name öffnet Türen, die sonst verschlossen bleiben.
Die Nachfolge zeigt, wie alte Familienunternehmen sich neu erfinden. Jacob Rothschild, 4. Baron, starb am 26. Februar 2024 im Alter von 87 Jahren in London. Sein Vermögen — rund eine Milliarde Euro — lag vor allem in RIT Capital Partners, einer Londoner Beteiligungsgesellschaft mit einem Nettovermögen von 3,86 Milliarden Pfund Ende 2024. Dazu kamen Ländereien wie Eythrope in Buckinghamshire, eine Kunst- und Weinsammlung und Beteiligungen außerhalb der Börse. Waddesdon Manor, sein berühmtes Haus, gehörte ihm nie — es fiel 1957 als Vermächtnis an den National Trust.
Sein Sohn Nathaniel führt den Titel als 5. Baron Rothschild. Die älteste Tochter Hannah übernahm die Rothschild Foundation als Vorsitzende und Schirmherrin. Der Übergang verlief ohne öffentliches Drama — der Clan versteht es, Vermögen in Stiftungen und Trusts zu verstecken, sodass wenig nach außen dringt.
Interessant die zweite Spur: Jacob Rothschild spielte im Zweiten Weltkrieg eine Rolle im britischen Geheimdienst und war für die Sicherheit von Winston Churchill zuständig. Gerüchte über Spionageaktivitäten hielten sich hartnäckig. Offiziell wurde ihm nie etwas nachgewiesen. Er blieb bis zuletzt ein gefragter Berater in Sicherheitsfragen. Wer in den innersten Kreisen der Macht sitzt, braucht keine Anklage. Die Nähe genügt.
Die Frage bleibt: Wohin steuert die Rothschild-Gruppe als nächstes? Aufstrebende Märkte sind das eine. Der Blick hinter die Kulisse zeigt: Hier wird nicht investiert, hier werden Positionen gesichert. Generationen denken in Jahrzehnten, nicht in Quartalszahlen.
❖ Ende des Artikels ❖
