Börse 1937
Terminal Tribune

24. September 2026

Dossier · Energie & Klima

RWE SPIELT BEIDE SEITEN — UND DER STAAT SCHAUT ZU

24. September 2026 — — Hollis

RWE verkauft sich als Klima-Vorreiter. Einer der wenigen DAX-Konzerne, deren Klimastrategie zum Pariser Abkommen passe, heißt es. Schön formuliert. Doch wenn man genauer hinschaut, was der Konzern tatsächlich tut, sieht man das alte Spiel.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Im August 2026 überweist RWE dem US-Innenministerium 1,22 Milliarden Dollar, um drei Offshore-Wind-Pachtverträge loszuwerden. Cleveres Risikomanagement, sagen sie. Die Verträge waren unsicher, das Geld wird in „wertschöpfende" Projekte umgeschichtet.

Und wo fließt es hin? In Gaskraftwerke. Im März 2026 kündigt RWE an, „Peaker Plants" in den USA zu bauen — Gaskraftwerke, die die Stromversorgung der wachsenden Rechenzentren sichern sollen. Erneuerbare allein, so RWE, könnten die Netzstabilität nicht garantieren. Wer stabilisiert das Netz? RWE. Wer kassiert? RWE.

Parallel laufen die Deals mit den Tech-Konzernen. 1,1 Gigawatt PPA mit AWS im Juni 2025. Ein 15-Jahres-Vertrag mit Google über 155 Megawatt Solarstrom aus Oklahoma, August 2026. Mit Microsoft bereits 2024 ein Deal über 446 Megawatt Wind in Texas. Die Datenfresser saufen Strom, RWE liefert. „Sauberer Strom", heißt es.

Parallel zur Bundesregierung. Im März 2026 legt Berlin einen neuen Klimaplan vor. 67 Maßnahmen, 8 Milliarden Euro. Ziel: 65 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 — aktuell liegt die Reduktion nur bei 48 Prozent. Man will aufholen: 12 Gigawatt zusätzliche Windkraft, 3 Milliarden Euro für Elektroautos, 2,9 Milliarden für industrielle Dekarbonisierung.

Die Krux: Der Plan erlaubt weiterhin Öl und Gas. Kritiker sehen das als Rückschritt. Der Sachverständigenrat für Klimaschutz sagt deutlich, es bestehe „hohe Wahrscheinlichkeit", dass die Maßnahmen die Ziele nicht erreichen. Besonders in Verkehr und Wohnen hakt es.

Cui bono? RWE baut Gaskraftwerke und verkauft gleichzeitig Windstrom an Amazon. Berlin pumpt Milliarden in E-Autos und lässt Öl und Gas weiterlaufen. Das ist keine Wende. Das ist ein Geschäftsmodell, das sich grün anpinselt, während die alten Pfründen gesichert werden.

Offen bleibt, wer in den Aufsichtsräten sitzt und wohin die Gewinne tatsächlich fließen. Der Plan sieht sauber aus. Die Strukturen, die ihn tragen, riechen nach wie vor nach Öl.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Strategic divestments, such as exiting U.S. offshore wind leases, demonstrieren RWEs Fokus auf Kapitaleffizienz

    die vorgeschlagene Belegstelle steht so NICHT im Quelltext und wurde deshalb verworfen; das ist eine Aussage ueber den Vorschlag, nicht ueber die Quellenlage

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „Demonstrating a disciplined capital allocation strategy, RWE reached a $1.22 billion agreement with the U.S. Department of the Interior in August 2026 to relinquish three U.S. offshore wind leases, choosing to redeploy capital into more certain, value-accretive projects.“

  2. ZAHL Large-scale PPAs mit Tech-Unternehmen wie Google und AWS treiben RWEs Ausbau voran

    die vorgeschlagene Belegstelle steht so NICHT im Quelltext und wurde deshalb verworfen; das ist eine Aussage ueber den Vorschlag, nicht ueber die Quellenlage

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „This momentum escalated in June 2025 when RWE signed a strategic collaboration with Amazon Web Services (AWS) covering seven PPAs for a total capacity of 1.1 GW in the United States. ... with RWE signing a 15-year PPA with Google in August 2026 for a 155 MW solar project in Oklahoma.“

  3. ZITAT RWE verfolgt eine Dualstrategie aus erneuerbaren Energien und Übergangsfossilen Anlagen zur Balance von Wachstum und Netzzuverlässigkeit

    „RWE is executing a two-pronged commercial strategy that aggressively expands its renewable energy portfolio to meet surging corporate demand while pragmatically investing in transitional assets to solve the grid reliability challenges created by that same growth.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  4. ZITAT RWE wird als eines der wenigen DAX-Unternehmen anerkannt, dessen Klimastrategie mit dem Pariser Abkommen übereinstimmt

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  5. ZITAT Es besteht Skepsis hinsichtlich der Wirksamkeit der Maßnahmen aufgrund anhaltender Herausforderungen in Verkehr und Wohnen

    „Continuous underperformance in the transportation and housing sectors creates additional barriers to making“ — wörtlich im Quelltext belegt

5 Quellen · 2 davon belegt · 0 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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