Sturm im Seminar: Die Anatomie einer indonesischen Erfindung
Dass ausgerechnet der Vortrag gegen die Umklassifizierung von Palmölplantagen zu Wald durch Hacker gestört wurde, ist kein Zufall. Am 25. November versammelten sich südlich von Jakarta Wissenschaftler, Industrievertreter und Beamte. Eine Professorin sprach — da endete die Höflichkeit: Eine blecherne Stimme wiederholte „fuck you", der Bildschirm zeigte eine Porno-Szene. Fünf Minuten später gab die Referentin auf.
Beide Seiten beschuldigen einander. Organisator Yanto Santosa, langjähriger Industrie-Verteidiger, vermutet Umwelt-Aktivisten. Gulat Manarung, Vorsitzender des Bauernverbands Apkasindo — vorbestraft wegen Bestechung eines Beamten, der eigenes Land zur Plantage umklassifizieren ließ — spricht vom „Social-Media-Krieg". Umweltanwalt Boy Even Sembiring von WALHI Riau sieht in den Hackern Kritiker der „akademischen Informationen des Dekans".
Wer profitiert, fragt der Ermittler. Plantagen als Wald zu deklarieren würde Indonesiens Entwaldungsrate senken und die Flächen für Kohlenstoffausgleiche qualifizieren. Was wie Buchhaltung klingt, ist Architektur: Der Wald wird umetikettiert, damit das Geschäft weitergehen kann. Die Behauptung, Palmöl bekämpfe Armut, ist durch keine Daten gedeckt. Wald-zu-Plantage erhöht die Treibhausgase und gefährdet Klimaziele.
Das Manuskript ist alt. 2007 verteilte die Indonesian Palm Oil Commission Broschüren, die das Gegenteil behaupteten — dass Plantagen mehr Kohlenstoff speicherten als Tropenwald. Studien zeigen das Gegenteil. Nur überwachte Integrität von Kohlenstoffausgleichsprojekten verhindert Betrug.
Rimba Raya Conservation auf Borneo beweist das Gegenteil: 140 Quadratmeilen Torfwald, die 2007 zur Plantage werden sollten und heute Orang-Utans und Nasenaffen Schutz bieten, gestützt auf internationale Zusammenarbeit und Kohlenstoffausgleiche. So sieht Integrität aus, wenn man sie lässt.
Wer hinter den Hackern stand, weiß niemand. Wer das größere Interesse an ihrer Wirkung hatte, lässt sich an den Akten ablesen — und an der Beharrlichkeit, mit der ein Verband, dessen Vorsitzender bestochen hat, weiter die Wahrhaftigkeit der eigenen Stimme behauptet.
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