Fördergeld, Dementi, Bestätigung — die Akte Wuhan
Lange war es ein Gerücht. Nun steht es schwarz auf weiß auf einem US-Regierungsschreibtisch: Gain-of-Function-Forschung in Wuhan wurde mit amerikanischen Mitteln gefördert. Wer diese Bestätigung jetzt als Überraschung verkauft, hat die Akten nicht gelesen — oder will sie nicht lesen lassen.
Die politischen Reaktionen fallen erwartbar aus. Präsident Trump unterzeichnet eine Anordnung, die Förderung solcher Forschung in Ländern mit unzureichender Aufsicht zu beenden. Kein Verbot — eine Regulierung. Die Tür bleibt offen, aber durch eine Schleuse. Laborunfälle, so die offizielle Lesart, sollen seltener werden. Das ist das Mindeste. Es ist auch das, womit man angeben kann, ohne zuzugeben.
Wer profitiert, bleibt im Verborgenen. Kritiker — und sie haben nicht unrecht — sagen: ziviler Nutzen ist nicht erkennbar. Was bleibt, sind militärische Anwendungen. Patente auf Impfstoffplattformen, Biosicherheits-Know-how, Verträge mit Auftragsforschern. Die Kette von der Förderung über das Labor zum Marktprodukt ist lang. Sie ist auch undurchsichtig.
Dass die Bestätigung erst nach Dementi kommt, ist der eigentliche Skandal. Forschungsförderung ist kein Geheimdienstprogramm. Wenn Gelder aus Washington in ein Institut fließen, das später im Zentrum einer Pandemie steht, gehört diese Akte in die Öffentlichkeit. Nicht in eine Schublade. Nicht unter einen Geheimhaltungsstempel.
Die Lücken in der Biosecurity-Regulierung sind nicht neu. Sie sind nur jetzt sichtbar — sichtbar gemacht von Senatoren, die plötzlich Risiken für das eigene Land entdecken und das WHO-Pandemieabkommen als nationale Gefahr rahmen. Vier Jahre zu spät. Solange die Forschungsfinanzierung selbst im Nebel bleibt, ist jedes Abkommen ein Brief an den Weihnachtsmann.
Die Diskussion ist komplex, ja. Sensibel, gerade weil COVID-19 im Raum steht. Aber Sensibilität ist kein Grund für Verschleierung. Sie ist ein Grund für Transparenz.
Unklar bleibt, welche konkreten Projekte genau gefördert wurden. Unklar bleibt, wer in den Aufsichtsgremien saß. Unklar bleibt, welche Studien veröffentlicht wurden und welche nicht. Diese offenen Fragen sind keine Nebensache. Sie sind der Kern.
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