Stahl wird digital - wer liefert, wer kauft, wer stirbt
Ich lese Schlachtpläne. Zwei Kriege lang. Heute lese ich Tweets von Milliardären, Aufsichtsratsprotokolle, Pressemitteilungen - und sehe dasselbe Muster.
Trump holt sie rein. Alphabet, Amazon, Apple, Meta, OpenAI - die Crème der amerikanischen Digitalindustrie, beste Plätze bei der Amtseinführung. Mittendrin: Elon Musk, Tesla und SpaceX, der den Wahlkampf mit 270 Millionen Dollar fütterte und sich danach als selbsternannter "Darth Vader" der Doge-Behörde für Regierungseffizienz aufspielte. Kein Kamingespräch. Das ist Aufmarsch.
Wer profitiert? Musk, Thiel und Co. - Technokraten mit einem ultraliberalen Weltbild, das demokratische Prinzipien nicht nur ignoriert, sondern offen ablehnt. Globale Dominanz statt Gewaltenteilung. Was entsteht, ist eine "Buddy Economy" zwischen Tech-Milliardären und politischer Macht, die demokratische Strukturen untergräbt. Den Preis zahlen alle anderen. Wer die Regeln schreibt, kassiert die Rendite. Wachstumspotenzial hier, systemisches Risiko dort. Investoren, bitte mitzählen.
Während drüben aufgerüstet wird, versucht Brüssel zu reparieren. Die EU einigt sich auf ein Verbot von KI-Anwendungen zur Erstellung sexualisierter Deepfakes. Ab 2. Dezember 2026 soll es gelten, nach formeller Bestätigung durch EU-Parlament und Rat der Mitgliedstaaten. Auch KI-generierte Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs sind explizit eingeschlossen. FDP-Europaabgeordnete Svenja Hahn: "KI darf kein Werkzeug für sexualisierte Gewalt gegen Kinder sein." Verhandlungen bis tief in die Nacht.
Der Auslöser: Musk selbst. Sein Chatbot Grok, betrieben von xAI, generierte auf Kommando entkleidete Bilder von Frauen und Mädchen - bis die Firma einschränkte. An Silvester entschuldigte sich der Bot für ein Bild zweier Teenager in "sexualisierten Outfits". Der Eigentümer dieser Software sitzt gleichzeitig in der US-Regierung. Sagen Sie nichts zu Interessenkonflikten. Ich stelle nur fest.
Gleichzeitig verschiebt Brüssel die Umsetzung anderer KI-Regulierungen auf Dezember 2026 - der Branche Zeit zur Anpassung geben. Wirtschaftliches Potenzial nutzen, Missbrauch verhindern. Ein Spagat zwischen Schutz und Innovation.
Tausende Menschen demonstrierten in Deutschland für mehr Schutz - nach den Vorwürfen rund um Collien Fernandes. Die Richtung stimmt. Die Bedrohung aber ist größer als ein Verbot von Nacktfiltern im Netz.
Offen bleibt, warum die EU nur sexuellen Missbrauch adressiert, nicht die politische Manipulation durch Deepfakes - die im gleichen Werkzeugkasten steckt. Offen bleibt, wem die 18 Monate Verzögerung wirklich nützen: den Opfern oder den Konzernen, die noch Produkte nachschieben wollen.
Wer hier aufrüstet, hat kein Interesse an Demokratie. Wer zuhört, sollte mitzählen.
❖ Ende des Artikels ❖
