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Terminal Tribune

25. September 2026

Dossier · Politik & Macht

Das geliehene Antlitz

25. September 2026 — — Kastner

Es gibt eine alte Regel aus den Genfer Konferenzräumen, die ich zitiere, wenn Juristen mir erklären, etwas sei komplex: Man unterschreibe nichts, dessen Tragweite man nicht übersieht. Heute unterschreiben wir täglich — mit jedem Foto, das wir hochladen, mit jeder Stimme, die wir einem Mikrofon anvertrauen. Die Maschinen, die daraus lernen, unterschreiben nicht. Sie nehmen nur.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Komplex — das ist das Wort, wenn es um die rechtliche Lage bei Deepfakes geht. Betroffene, heißt es, könnten möglicherweise Abmahnungen aussprechen. Möglicherweise. Ich kenne dieses Wort aus Diplomatensälen: Es bedeutet, dass die Macht sich noch nicht entschieden hat, wohin sie sich neigt. Meist neigt sie sich dorthin, wo das Geld liegt.

Etwa neunzig bis fünfundneunzig Prozent aller Deepfakes betreffen nicht-einvernehmliche Pornografie, rund neunzig Prozent davon gegen Frauen gerichtet. Die Beratungsstelle für Opfer digitaler Gewalt kennt die Zahlen, die Anwälte kennen die Paragraphen — und die Foren, in denen Gesichter ohne Zustimmung montiert werden, kennen weder das eine noch das andere. Es ist die alte Rechnung, nur mit neuen Werkzeugen: Wer ein Antlitz zeigt, macht es zur Ware. Wer dafür zahlt, ist seit jeher dieselbe Adresse.

Man rüstet mit KI-gestützter Erkennung auf, fordert digitale Bildung. Währenddessen entwickeln Angreifer adaptive Verfahren, die genau diese Detektionsmethoden täuschen. Ein Wettlauf, befeuert durch die breite Verfügbarkeit von Tools und Bildmaterial — die eine Seite verkauft die Waffen, die andere die Schutzschilde, und am Ende klingeln beide Kassen beim selben Hersteller.

Dann die politische Bühne. In Hongkong überwies eine Angestellte Millionen, weil die Stimme ihres Chefs ihr vertraut war. In den slowakischen Wahlen kippte eine manipulierte Aufnahme das Ergebnis. Lügen verbreiten sich schneller als Wahrheit und sind kaum zu korrigieren — wer einmal gesehen hat, vergisst nicht. Die Technologie ermöglicht nicht nur Identitätsdiebstahl und Betrug, sie wird zur mächtigen Waffe in der politischen Arena, zur Desinformation im großen Stil.

Wer profitiert? Wer hat diese Werkzeuge gebaut, wer die Trainingsdaten geliefert, wer schweigt, wenn die nächste Fälschung viral geht? Unklar bleibt, wem die Architektur dieser Maschinen wirklich gehört. Klar ist nur dies: Das geliehene Antlitz gehorcht nicht mehr seinem Träger. Und die Handschuhe, die ich beim Schreiben trage, schützen mich nicht vor jenen, die mir mein Gesicht nehmen.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Die rechtliche Lage bei Deepfakes ist komplex, und Betroffene können möglicherweise Abmahnungen gegen Täter aussprechen.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZAHL Etwa 90 bis 95 Prozent der Deepfakes betreffen nicht-einvernehmliche Pornografie, vor allem gegen Frauen gerichtet.

    im Quelltext gefunden

  3. ZITAT Die Erkennung von Deepfakes erfordert den Einsatz von KI und eine umfassende digitale Bildung, um die Gesellschaft zu schützen.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  4. ZITAT Deepfakes können politische Wahrnehmungen manipulieren und sind schwer zu korrigieren, was sie zu einer mächtigen Waffe in der politischen Arena macht.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  5. ZITAT Die Fälle von Deepfake-Angriffen, wie der Betrug in Hongkong und die Manipulation in den slowakischen Wahlen, verdeutlichen die dringende Notwendigkeit, Sicherheitsmaßnahmen und das öffentliche Bewusstsein zu stärken.

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

5 Quellen · 1 davon belegt · 0 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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