HYDIS²: Papier gegen eine Rakete, die nicht parabelt
Achtzehn Millionen Euro. Neunzehn Partner. Vierzehn Länder. Drei Jahre Konzeptphase.
Das hat MBDA im März 2023 unterschrieben. Auftraggeber: Frankreich, Italien, Deutschland, Niederlande. Programmname: HYDIS² — HYpersonic Defence Interceptor Study. Der Waffenentwurf trägt den Namen Aquila.
Der Feind trägt keinen Taufnamen. Nur eine Geschwindigkeit: Mach 7. Achttausendsechshundert Stundenkilometer. Zwei Komma vier Kilometer pro Sekunde. Achtzig bis hundertsechzig Sekunden — das ist das Zeitfenster, in dem Erfassung, Klassifikation, Verfolgung, Feuerbefehl und Anflug stattfinden müssen. Mehr nicht.
Ich habe in meinem Berufsleben viele Flugbahnen studiert. Diese nicht.
Konventionelle Raketen folgen einer Parabel — vorhersehbar. Aster wurde dafür gebaut: fünfzehn Jahre Erfahrung, im Einsatz bewährt. Aber Aster trifft, was berechenbar fliegt. Hyperschall-Gleitflugkörper und Hyperschall-Marschflugkörper tun das nicht. Zehn bis zwanzig g im Flug. Die Flugbahnvorhersage — das Kernprinzip jeder Abwehr — fällt aus.
Wozu das Ganze? Bis 2026 haben acht Staaten einsatzbereite oder getestete Programme. Russland: Avangard operativ seit 2019, Zirkon seit 2023, Kinzhal. China: DF-ZF, YJ-21. Die USA erproben LRHW, entwickeln HACM. Nordkorea hat Hwasong-8 getestet, Indien demonstriert HSTDV. Acht Staaten, acht Antworten auf dieselbe Frage.
Die europäische Antwort heißt TWISTER. Die neue Sensorarchitektur muss Weltraum-, Luft- und Bodensensoren verzahnen, um die Reaktionszeit zu minimieren. Das ist neu. Das ist teuer.
Parallel läuft das Global Partnership for Hypersonic Defence — mit Japan und europäischen Partnern. Manövrierfähige ballistische Flugkörper und Hyperschallwaffen überwinden konventionelle Systeme. Der gemeinsame Feind steht außer Frage.
Offen bleibt: Wann wird aus der Studie ein Abfänger? Wer bezahlt die Serienproduktion? Und wie viele Sekunden gewinnen wir, wenn die nächste Parade rollt — diejenige, die nicht unter uns stattfindet?
Achtzehn Millionen sind wenig für das, was am Ende stehen muss. Fragen Sie nach. Beim nächsten Budget. Beim nächsten Staatsempfang.
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