Die Pipeline spricht. Wer übersetzt sie ins Geld?
94 Kandidaten reihen sich derzeit in Europas Pipelines. 67 haben Phase II erreicht, 22 stehen in Phase III, fünf durchlaufen das Zulassungsverfahren der EMA. Zahlen, die nach Fortschritt klingen. Sie klingen auch nach Auswahl. Wer befand, dass ausgerechnet diese 94 vor die EMA finden — und nicht jene Hunderte, die in Phase I verenden?
Der vfa wertete das Portfolio seiner Mitglieder aus, Stand August 2025. Es liest sich wie eine Landkarte der Profite: 60 Projekte gegen Viren, 27 gegen Bakterien, fünf gegen Malaria. Atemwegserreger dominieren — 18 gegen Influenza, 16 gegen SARS-CoV-2, dazu Kombinationen. Wer regelmäßig hustet, zahlt regelmäßig. Das ist der Markt, der sich selbst erklärt.
Doch das Versprechen schweigt: Impfstoffe gegen antimikrobielle Resistenzen. Hier verläuft die Pipeline schmal. Wer Antibiotika verdient, hat kein Interesse, seinen Absatz zu kannibalisieren. Das ist kein Verdacht. Das ist Logik.
Daneben die stillen 20 — Projekte gegen Lyme-Borreliose, Norovirus. Keine STIKO-Empfehlung, keine Schlagzeilen, dennoch volle Wartezimmer. Wer sie je erstattet sehen will, kommt am Robert Koch-Institut nicht vorbei. Mehr Arbeit für ein chronisch unterfinanziertes Gremium. Strukturelle Bequemlichkeit, nenne ich das.
Spikevax heißt das Präparat, mit dem Moderna sich in der EU hält. Ein mRNA-Impfstoff, in Lipid-Nanopartikeln verpackt, regelmäßig an neue Varianten angepasst. Die Plattform stammt aus den 1960er Jahren. Ihre kommerzielle Blüte erlebte sie erst, als die US-Regierung tief in die Tasche griff. Die öffentliche Hand legte vor, was private Anleger nicht riskierten. Nun kassiert, wer übrig blieb.
mRNA gegen schwarzen Hautkrebs, Lungenkrebs, Vogelgrippe. Sechs Plattformen, Nasensprays, Mikronadeln. Der Sprung in die Apotheke ist technisch vollzogen. Unklar bleibt, wer die Übersetzung in Erstattung leistet — und wer den Preis festsetzt, den die Kassen tragen.
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