Souveränität versprochen, Transparenz vermieden
Es gibt Sätze, die wie Handschuhe aussehen und doch Fäustlinge sind. Alex Karp, Hohepriester der Datenontologie, sprach jüngst von »Souveränität« – jenem Wort, das neuerdings jeden Vertrag schmückt, der eigentlich Kapitulation heißt. Nebius, einst als Yandex in Moskau geboren, nun in Amsterdam notiert, soll Palantirs europäischer Hehler sein. Man nehme amerikanische Software, bette sie in europäische Infrastruktur, und der Kontinent fühlt sich wachsam. Nur: wer bewacht die Wächter?
Das Netz ist älter, als die Meldungen vermuten lassen; die Welt spielt Schach, hier reden wir von längst eröffneten Partien. Nicole Junkermann, mit dem richtigen Lächeln und den richtigen Verbindungen, sitzt an Knotenpunkten, die im Licht der Öffentlichkeit unsichtbar bleiben. Peter Thiel, der die Zukunft erfunden hat, damit sie ihm gehöre, zieht im Hintergrund die Drähte. Carbyne 911 – jene Technologie, die Notrufe in Datenströme verwandelt und Standorte wie Kameras öffnet, als seien sie alte Briefe – ist mit Palantir verbandelt. Was als Hilfe beginnt, endet als Architektur der Sichtbarkeit. Jeder Hilferuf wird zum Vektor, jeder Piepton zur Adresse.
Unterdessen weitet Palantir seine Präsenz aus, Land um Land, Vertrag um Vertrag – auch mit EU-Polizeibehörden, deren Bürokratie den eigenen Triumph verschläft. Man spricht von Transparenz und Kontrollmechanismen, während die Protokolle längst geschrieben sind. Die strategische Allianz mit Nebius ist das kühle Eingeständnis, dass »Souveränität« eine Verkaufsphantasie ist; man offeriert dem Käufer sein eigenes Versprechen als Ware. Nebius' Infrastruktur soll europäischen Regularien genügen – unklar bleibt, wessen Behörde welche Hintertür kennt.
Souveräne KI – das klingt nach Schutz und ist doch die elegante Verpackung eines alten Plans; europäische Kunden sollen Modelle unter eigener Kontrolle betreiben, als wäre Kontrolle je eine Frage der Adresse gewesen. Und immer schimmert die NSA durch jeden Datenkanal – internationales Substantiv, über das alle höflich schweigen. Die Privatsphäre des Bürgers wird zur Verhandlungsmasse zwischen Diensten, deren Interesse aneinander größer ist als an ihm.
Wer profitiert? Die Architekten. Wer verschweigt? Die Auftraggeber. Welche Struktur trägt es? Eine Krypta, in der das Vertrauen das Opfer ist – und die Handschuhe der Beteiligten keine weißen.
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