3+3 — wo sechs Mächte Brücken bauen, die kein Zöllner prüft
Die Plattform trägt einen freundlichen Namen. „3+3" — drei Südkaukasus-Staaten und drei ihrer großen Nachbarn: Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Russland, Iran und die Türkei. Man spricht von „regionaler Verantwortung" und der „Unzulässigkeit externer Initiativen", die neue Trennlinien schaffen könnten. So steht es im Protokoll der russisch-türkischen Konsultationen Anfang September in Moskau. Der Ton ist weich. Die Handschuhe sind weiß.
Wer die Mechanik solcher Formate kennt, hört das Lächeln darin. Russland und die Türkei haben ein Interesse daran, dass außerhalb dieses Tisches nichts entschieden wird. Eine noble Geste. Nur: Wer kontrolliert, was diese sechs untereinander lösen?
Hier wird das Netz dichter. Russland und Iran sitzen am selben Tisch. Vizeminister Michail Galusin und sein iranischer Kollege Mehdi Sobhani bestätigten bei einem Treffen die Bereitschaft, gemeinsame Infrastrukturprojekte im Südkaukasus voranzutreiben — insbesondere für den Internationalen Nord-Süd-Transportkorridor. Das klingt nach Logistik. Es klingt auch nach einer Architektur, die Sanktionen umgehen kann. Wer Straßen baut, baut Routen.
Die Aufseher in Washington, Brüssel und Canberra haben das nicht übersehen. Berichte über Durchsetzungsmaßnahmen häufen sich — gegen russische Sanktionsumgehung, gegen Scheinfirmen in Armenien und Georgien. Briefkastenfirmen als Weichensteller. Wer profitiert, ist selten eine Frage in Communiqués.
Der Südkaukasus ist nicht neutral. Abchasien und Südossetien bleiben umkämpft. Die Berge haben mehr Imperien gesehen als zählbar — persische, römische, osmanische, russische. Wer dort eine Plattform etabliert, erbt auch deren Schatten.
„3+3" ist eine Architektur. Russland liefert das Format, Iran die Routen, die Türkei die Mäßigung. Armenien und Georgien liefern — ob sie wollen oder nicht — die juristischen Hüllen. Welchen Preis Aserbaidschan zahlt — und für wen — bleibt offen.
Wem nützt es, wenn sechs Mächte Brücken bauen, die kein Aufseher prüft? Die Antwort liegt nicht in Pressekommuniqués. Sie liegt in Bilanzen, deren Namen niemand kennt.
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