Die kranken Forscher und das Schweigen von Wuhan
Wieder ein Herbst, wieder ein Bericht. Das Wall Street Journal schreibt von drei Forschern des Wuhan Institute of Virology, die im November 2019 erkrankten — Wochen vor dem offiziellen Pandemiebeginn. Die Laborunfall-Theorie, einst als Verschwörung belächelt, erhält neue Nahrung. FBI und Energieministerium werten sie mittlerweile als wahrscheinlich. Die WHO, mit beschränktem Zugang gereist, blieb vage.
Ich notiere: Spekulation ist kein Beweis. Doch das Muster ist alt. Staatliche Forschung, mit amerikanischen Dollar gefördert — 3,7 Millionen über EcoHealth Alliance an ein Institut, das mit chimären Coronaviren experimentierte. Gain-of-function, jene Methode, die Washington 2014 zu stoppen versuchte. Fauci bestritt jede Beteiligung. Die Kabel des State Department aus dem Jahr 2018 warnten bereits vor Sicherheitsmängeln. Man hörte nicht hin.
Der Podcast der Naked Scientists lässt die Oxforder Forscher Freya Jephcott und Alfred Moore zu Wort kommen. Sie sprechen über Whistleblower, über den erschwerten Datenzugang in autoritären Systemen, über das schmale Vertrauen zwischen Wissenschaft und Staat. Ob vertuscht wurde, bleibt offen — wie der Zugang zu den Proben früher Patienten.
Hayek hätte seine Freude an diesem Szenario. Intellektuelle, die mit staatlicher Macht kokettieren, übersehen das Wissensproblem: kein Protokoll erfasst das tatsächliche Handeln. Beide Regierungen — Washington und Peking — wussten von der Forschung. Beide schwiegen, als es unbequem wurde. Die eine aus Reputationsgründen, die andere aus Staatsräson.
Was bleibt? Sechs Millionen Tote. Wöchentlich zehntausend weitere. Eine Öffentlichkeit, die der Wissenschaft misstraut, weil diese sich nie entschieden äußern durfte. Biotechnologie braucht Transparenz wie der Kessel den Deckel — sonst kocht sie über. Oder explodiert leise in Wuhan.
Wer trägt die Verantwortung, wenn die nächste Pandemie kommt — und sie kommt?
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